Krieg und Liebe

Es war kaum Zeit vergangen, als ein Jarl aus den Nördlichen Wäldern in Helvegen davon berichtete, dass Belnend einen Krieg gegen den Norden vorbereitete. Als sei das nicht schon berunruhigend genug, ließ er sie auch noch wissen, dass Helvegen als erstes überrannt werden sollte. Auch die Lösung hatte er schon bei der Hand, nämlich Belnend anzugreifen, bevor der Kommandant mit seinen Kriegern ausrücken konnte.

Da Sigurd nicht zugegen war, erbat man sich Bedenkzeit. Noch am gleichen Tag sandte man Späher nach Belnend um herauszufinden, ob das Vorgebrachte der Wahrheit entsprach. Wie es schon auf Chrysos der Fall gewesen war, waren die Späher gerade ausgerückt, als man schon zum Angriff auf Belnend blies und da außerdem eine Gefährtenschaft geschlossen werden sollte, die von langer Hand vorbereitet worden war, zog Helvegen nicht mit in diese eilige Schlacht.

neuigkeiten_001
Späher werden ausgesandt

Sigurds Skepsis bezog sich vor allem auf die Verluste, die der Kommandant von Belnend in der Schlacht um Chrysos erlitten haben musste und selbst eine mittelgroße, zentralgoreanische Stadt wie Belnend konnte nicht die Mittel für gleich mehrere Krieger hintereinander aus dem Ärmel schütteln. Belnend würde eine Weile brauchen sich erneut zu rüsten und nicht so dumm sein sich überstürzt in einen Krieg auf feindliches Gebiet mit dem gesamten Norden zu stürzen. Die Zeit würde zeigen, ob die Einschätzung Helvegens sich als richtig erweisen würde.

Zur Besiegelung der Gefährtenschaft vor den Göttern war Arcturus, der Runenpriester aus Uppsala angereist. Lange, sehr lange hatten Cortie und Saphira auf diesen Moment warten müssen, doch alles Ausharren wurden letztlich reich belohnt mit einem besonders schönen Ritual auf dem Runenberg und einer ausgelassenen Feier im Anschluss.

(Die Weiber von Helvegen beim rituellen Baden vor der zu schließenden Gefährtenschaft)

(Die Gefährtenschaft wird geschlossen vor den Göttern)

FC_023
Festschmaus in der Halle
FC_030
Ausgelassene Stimmung und Tanz einer Bond

Merken

Rückkehr in die Heimat

Das Metopfer vor der Abreise von Chrysos zahlte sich aus. Auf der Heimreise verschonte der Donnergott Thor die Schiffe Helvegens und ein zweites Unwetter blieb aus, so dass die Krieger samt Beute dank günstiger Winde rasch die nördliche Thassa überquerten und schließlich durch den Strangfyorthe hindurch zurück nach Helvegen gelangten.

zuhause_001
Die Schiffe legen an
zuhause_002
Willkommen zurück

Ohne Zwischenstopp in Lydius, auf den das zeternde Südweib gehofft hatte, dass sie zu der im Sumpf verborgenen Kiste mit Gold geführt hatte, legte man in der Heimat an, wo sich bereits die Lieben und Schaulustigen versammelt hatten um die Heimkehrer in ihre Arme zu schließen.

Der Bauch von Lovis war jetzt leicht gerundet und es ließ sich nicht mehr verbergen, das sie wieder ein Kind erwartete. Die Siedlung lag friedlich im Schein des Zentralfeuers da, auf den Äckern gedieh die Saat und war zu jungen Pflanzen herangewachsen und in den Ställen gab es Nachwuchs. Es schien als hätte der Runenpriester Acturus im Tempel zu Uppsala die Runen richtig gedeutet. Fruchtbarkeit und Wohlstand blühte in der Siedlung. Nur wenige Tage später brachte Taara, die Heilkundige,  gesunde Zwillinge zur Welt, die sie hoffentlich über den Verlust ihres jüngsten Sohnes hinwegzutrösten vermochten.

zuhause_003
Beutegold aus Chrysos
zuhause_004
Die Behaglichkeit der heimatlichen Halle
zuhause_006
Der Clan wieder vereint
zwillinge_001
Erneuter Zwillingssegen in Helvegen

Die Chrysos Beute konnte sich sehen lassen und sorgte für ausgelassene Stimmung in der Halle. Eine der reich gefüllten Truhen ließ der Jarl unter allen Clanmitgliedern aufteilen. Ein Teil wurde zurück behalten um die aus allen Nähten platzende Siedlung zu vergrößern und eine neue Halle zu bauen. Das war der Plan. Ein anderer Teil wurde zurückbehalten um den Göttern ihren Anteil zu opfern.

Der Kommandant von Belnend kam um seine Waffen zum vereinbarten Preis zurückzukaufen, die er Niara als Pfand für die Sklavin Ewa überlassen hatte.

zwillinge_002
Belnend und Helvegen stehen einander erneut gegenüber

Der Handel misslang, als Byron, Niaras Gefährte,  statt der 4 Silber nun 4 Gold haben wollte und nur haarscharf konnte Sigurd einen Krieg in der Siedlung und Schaden von Helvegen abwenden. Byron, der sich erneut von niemandem ernst genommen fühlte, floh daraufhin in die Wälder. Es wussten wohl nur die Nornen selbst ob er nach seiner Kopfverletzung jemals wieder in der Lage sein würde den Clan von Fjellandsby zu führen. Belnend zog aufgebracht und unverrichteter Dinge wieder ab und der ohnehin schon kochende Hass auf Grund der Niederlage des Südens auf Chrysos erreichte einen neuen Siedepunkt. Niara blieb in Tränen aufgelöst zurück und nahm auch Byrons Anteil vom Beutegold entgegen.

beute_001
Aufteilung der Beute

Im Anschluss reiste man zum Tempel nach Uppsala um den Göttern ihren Anteil zu bringen. Arcturus hatte sich schon auf die Ankunft der Siegreichen vorbereitet und zum Ausklang des Abends tanzten zwei Sklavinnen im Licht der drei Monde und Mira, die Bond des Runenpriesters, sang ein Lied vom von Sieg und Ruhme Helvegens.

beute_004
Opfer für Thor
beute_007
Tanz der Sklavinnen

beute_008

beute_010
Arcturus und Mira

Schlacht um Chrysos

Nachdem Teile des Nordheers es zwar geschafft hatten in die Siedlung einzudringen, aber sie dann wieder verlassen hatten wegen eines nahenden Schiffes aus Kassau, das sie in einen Hinterhalt zu zwingen drohte, war die Stimmung spürbar gesunken. Dass sich das angekündigte Schiff aus Kassau auch noch als List des Kommandanten von Belnend herausstellte, tat sein übriges dazu, dass die Clans untereinander immer mehr in Streit gerieten. Die Jarls waren nun vorerst damit befasst ihre Männer wieder unter Kontrolle zu bringen, was mehr oder weniger gut gelang. Zu allem Überfluss hatte der Süden nach dem Teilangriff alle Minensklaven abgeschlachtet. Sklaven, die einst stolze Torvaldsländer gewesen waren. Ihre toten Leiber wurden am Weg zur Siedlung entlang angepflockt und zogen schon bald Fliegen und Krähen an.

chrysos_end_001

chrysos_end_004

Zwar gelang es dem zornigen Norden am nächsten Tag ein Versorgungsschiff der Siedlung abzufangen und anzuzünden, jedoch blieb ihnen das Gold in den Minen immer noch verschlossen. Schließlich sammelte Sigurd, Jarl von Helvegen, seine Männer und Schildmaiden um sich und mahnte sie zur Besonnenheit und zur Schwurtreue für ihren Clan. Wenn immer wieder einzelne Clans die Siedlung einzunehmen versuchten, würde es nicht gelingen. Es musste einen gut durchdachten, gemeinsamen Angriff geben um erfolgreich zu sein. Es war nicht schwer die anderen Jarls davon zu überzeugen, aber einigen Männern unter den Clans fehlten sowohl Weitsicht auch als Geduld für jegliches strategisches Denken und die Demütigung durch die getöteten Sklaven saß tief, denn man hatte versäumt diese rechtzeitig zu befreien und sich von einer List täuschen lassen.

Dennoch gelang das langsam unmöglich Geglaubte. Eine Gruppe bestehend aus den stärksten Kriegern aller Clans wurde mit der Aufgabe betraut sich den Weg zum Tor hoch zu erkämpfen, während eine zweite Gruppe sich von der anderen Seite nähern und so die Südler dazu bringen würde, sich aufzuteilen. Dieser Plan schien aufzugehen. Obwohl die Verteidigungsanlage der Siedlung verbessert worden war, stand die Vorhut nach nur einer halben Ahn vor dem Tor und begann damit es aufzubrechen, während die Nachhut die Hälfte der südlichen Krieger an anderer Stelle in Schach hielt. Ein zweites Mal ergoss sich der Strom tobender Torvaldsländer hinein in das Herz von Chrysos. Doch diesmal war es nicht nur die Gier nach Beute, die die Männer trieb, sondern auch der Durst nach Rache für die erlittene Demütigung.

chrysos_end_005

Nachdem man die Minen bis auf das letzte Gold ausgeraubt hatte, tötete man die Überlebenden und steckte dann die Siedlung in Brand. Ein halbes Jahr harter Arbeit der Siedler war vergebens gewesen. Die meisten Kämpfer für den Süden waren gefangen genommen worden oder ihr Blut tränkte den Boden der goldenen Insel.  Blutrot leuchteten auch die drei Monde in der Nacht über der Insel und der Thassa, als wüssten sogar die Naturgewalten von dem todbringenden Geschehen. In der Nacht löschte der Regen die brennenden Ruinen und am Morgen standen schwarze Rauschschwaden über dem, was einst Siedlung und Zuhause gewesen war.

Chrysos war gefallen.

Hals über Kopf

Eine getroffene Verabredung mit einer schlangenzüngigen Schriftgelehrten, die den Clans den Geheimgang in die Minen öffnen wollte,  geriet noch in derselben Nacht in Vergessenheit. Das Blut der Torvaldsländer ist so hitzig wie das Hrimgargebirge kalt ist und Geduld war keine Tugend, die dem Menschenschlag des Nordens in ausgeprägtem Maße zueigen war.

Vielleicht waren auch die unheimlichen Feuer in den Sümpfen Schuld gewesen, denn wie allgemein bekannt ist, ist der Norden abergläubisch und Furcht war noch nie ein guter Ratgeber.  Auch wenn sich herausgestellt hatte, dass Wilde für die Feuer verantwortlich war, so war es für einige doch beunruhigend, dass man nun nicht mehr nur gegen die Götter des Südens kämpfte, sondern auch noch gegen die des Waldes.

Snapshot_002

So machte sich am nächsten Abend eine Gruppe auf und versuchte die Siedlung mit einem Teil der zur Verfügung stehenden Berserker zu stürmen. Nicht alle Clans waren dabei und nicht jeder hielt es für eine gute Idee, aber dennoch: Was ein Torvaldsländer will, das kann man ihm nur schwerlich ausreden.

Bereits der schmale Weg hoch bis vor das Siedlungstor stellte für einen kriegerischen Überfall eine erste Hürde da. Nicht wenige stürzten von den Klippen aus in die Tiefe und ihre Leiber zerschellten auf den Felsen. Beschuss von oben und nahezu keine Deckung taten ihr übriges dazu.

Es gelang dem zahlenmäßig unterlegenen Süden lange Zeit die Stellung zu halten, aber dann tat sich eine neue Möglichkeit auf: Eine Schwachstelle in der Verteidigung der Siedlung ermöglichte den Berserkern einen Ansturm auf das hintere Tor und von zwei Seiten eingekesselt und angegriffen, machte sich nun die geringe Anzahl von Kriegern in der Siedlung bemerkbar. Sie mussten sich aufteilen, wenn sie verhindern wollten, dass eines der Tore fiel und das konnten sie nicht lange durchalten.

Trotz größer Gegenwehr des Südens fiel das Haupttor und die brüllenden Nordleute strömten durch die Öffnung wie tosendes Wasser durch einen gebrochenen Damm. Sie hinterließen eine Schneise der Verwüstung, bereit zu rauben, zu vergewaltigen und zu töten, was ihnen in die Hände fiel.

Doch dann wendete sich das Blatt. Von einem herannahenden Schiff aus Kassau war plötzlich die Rede und von einer Falle, die ihnen den Rückzug zu ihren Schlangenschiffen unmöglich machen würde. Im letzten Augenblick gelang es den anwesenden Anführer den Blutrausch ihrer Berserker zu zügeln und ihre Truppe zum sofortigen Abzug zu befehligen. Hals über Kopf verließ man die Siedlung mit nur wenig Beute und noch weniger Gefangenen.

Merken

Erste Beute und eine neue Festung

Ein im Alleingang einiger Männer aus Skjoldur genommene Gefangene des Südlagers wurde mit einer Forderung zu seinem Kommandanten zurückgeschickt. Das Südheer soll Chrysos umgehend verlassen oder in der Konsequenz würden alle getötet werden, die man in die Hände bekam.

Im Vergleich zum Süden mit seiner klaren Befehlskette erschien der Norden in all seinen Aktivitäten wenig geordnet und mehr spontan. Unter den Jarls musste jede Entscheidung gemeinsam getroffen werden und selbst wenn das geglückt war, taten einige Männer dennoch etwas anderes. Trotzdem war das Nordheer nach wie vor nicht zu unterschätzen, denn zuweilen lag im urwüchsigen Chaos eine starke Energie, die furchteinflößend sein konnte und auch den Feind mit Unvorhergesehenem zu überraschen vermochte.

Am zweiten Tag in Chrysos nahmen die Nordleute den Konvent der Wissenden ein um hernach über eine gut befestigte Anlage mit starken Mauern zu verfügen und einem weiten Blick über Strand und Wiesen, der jeden Angreifer lange im Voraus erfassen würde.

Im Konvent selbst hatten an jenem Tag nur die wirklichen Fanatiker der weißen Kaste die Stellung gehalten. Alle anderen hatten es vorgezogen bei Nacht und Nebel Schutz in der Siedlung zu suchen. Der Älteste von ihnen überzog die Torvalsländer mit seiner ganzen Verachtung, als sie ihn aufforderten das Tor freiwillig zu öffnen. Er soll sogar von der Mauer uriniert haben, natürlich auf die seiner Kaste zu eigene, sehr würdevoll herablassende Art.

tag2_009

Als das Tor aufgebrochen wurde und die Übermacht des Nordheeres in den Innenhof strömte, versuchte er in einem letzten heroischen Akt das Allerheiligste mit seinem Leib zu schützen, bekam dann aber einen Schild an den Schädel und verstarb an einer Hirnblutung, noch bevor man ihm den Schlüssel zum Konvent vom Gürtel reißen konnte.

tag2_010

tag2_011

Die kampferprobten Torvaldsländer stürmten in alle Räume, nahmen alles an sich, was ihnen wertvoll erschien, einschließlich der Opferschalen und Leuchter im Allerheiligsten und sogar die goldenen Ringe an den Mauern wurden aus ihren Befestigungen gerissen und fortgetragen, während das ihnen fremde Mobiliar zertrümmert und verbrannt wurde. Mühevolle verfasste Schriften und das Wissen von Jahrhunderten gingen innerhalb weniger Ehn in Rauch auf, nur einige wenige Männer hatten sich von den Schriftrollen ein paar in die Stiefel gesteckt.

Nein, die Priesterkönige zeigten sich nicht an jenem Tag. Vielleicht war ihnen Tod oder Leben einiger Wissender gleichgültig, vielleicht passte es sogar in ihre geheimen Pläne, aber niemand erlag dem blauen Flammentod und so ließ der einfache Sieg für alle Nordmänner nur eine Schlussfolgerung zu: Ihre Götter waren mächtiger als die des Südens und mit ihrem Wohlwollen hatten sie sich erste, reiche Beute geholt.

Kampf und Land in Sicht

Die Nordflotte überstand den Sturm und man half sich mit dem Nötigsten aus um die entstandenen Schäden zu beheben. Nur ein Mann war über Bord gegangen, konnte aber aus dem tobenden Fluten gerettet werden. Einige hatten Prellungen von der ins Rutschen geratenen Ladung. Und noch war ihre Reise nicht beendet.

Nach einigen Tagen dichten Nebels wurde jede Ahn zur Ewigkeit. Die Vorräte waren nach dem Sturm nahezu alle durchnässt und unbrauchbar und zu allem Überfluss ging langsam das Trinkwasser zur Neige. Die Navigation war im dichten Neben so gut wie unmöglich und niemand wusste so recht, ob man noch auf Kurs war.

reise_007

Als der Nebel sich lichtete, sichtete man in der Ferne einige Felsen, allerdings auch einige Segel von Tarnschiffen.

reise_008

Die Spannung stieg und entlud sich heftig, als ein erste Pfeil sich in eines der Schilde bohrte. Kampf zu Wasser war den Nordleuten nicht unbekannt, ihre Schlangenschiffe waren schnell und wenig. Doch die Männer auf den Tarnschiffen, die unter dem Banner von Belnend fuhren, waren erbitterte Gegner.

reise_002

reise_005

Nachdem sich die Südler sich erst einmal auf die Geschwindigkeit der Schlangenschiffe eingestellt hatten, ließen sie die Torvaldsländer im Pfeilhagel bluten.

reise_009

Schließlich ließen beide Seiten voneinander ab und nahmen weiter Kurs auf ihr eigentliches Ziel, die unbekannte Insel mit dem Namen Chrysos. Der Norden landete am nördlichen Ufer und errichtete sein Lager am Strand. Der Süden landete im Südosten der Insel und nutzte den Schutz der Sümpfe um sein Lager vor Blicken und Angriffen zu schützen. Den Rest des Tages brachte man damit zu, Zelte aufzuschlagen und erste Erkundungen in der näheren Umgebung zu unternehmen.

Chrysos_Nordlager_006

Chrysos_Südlager_001

Auf der nördlichen Thassa

“Storms are relentless and unforgiving.

Die Schiffe der Torvaldsländer hatten sich vor Scagnar zu einer gemeinsamen, furchteinflößenden Nordflotte vereint. Die Drachenköpfe am Steven voran, pflügten sich die flachen, schnellen Boote durch die Wellen. Das Wetter war hell und freundlich gewesen am ersten Tag ihrer Reise. Die Winde gnädig. Die Stimmung der Männer war gut, vielleicht fast ein wenig übermütig. Hinter sich zurück ließen sie die Last von Ackerbau und Familien und der Wind zauste ihre Bärte und schien sie in bevorstehende Abenteuer und Heldentaten zu locken.

seereise2_001

scagnar_004

Am zweiten Tag der Reise frischte der Wind deutlich auf und trieb Wellen und Schiffe rasant vor sich her, aber das erhöhte nur den Reiz und verlieh der Reise in unbekannte Gewässer eine höhere Geschwindigkeit. Die Segel blähten sich im Wind, ließen die wendigen Schiffe über die Wellen tanzen und zeugten von der guten Zusammenarbeit vieler Hände im Norden.

Gegen Mittag braute sich in der Ferne ein dunkler Streifen zusammen, der näher rückte, so dass sich bald die Frage stellte, ob man einen Kurwechsel vornehmen oder hindurch segeln wollte. Der Übermut war noch nicht verflogen und man fühlte sich stark und allem gewachsen und leidenschaftlich genug um sich auch einer rauheren Thassa zu stellen. So hielten alle Kurs und fanden sich bald schon verschluckt von Dunkelheit und prasselndem Regen.

storm_002

Bald schon wurde die Thassa so rauh, dass die Wellen die Schiffe haushoch emporschleuderten und mit ebensolcher Wort zurück in die Wellentäler fallen ließen. Von unten drang salziges Thassawasser in die Boote, Gischt und hohe Wellen durchnässten jeden und alles, was sich an Bord befand. Von oben öffnete der Himmel seine Schleusen und überzog die Flotte mir prasselndem Regen.

Als auf einem der Schiffe Fensalirs ein Teil der Ladung ins Rutschen geriet, war auch dem wagemutigsten Sturmtrotzder klar, dass Thor sich in Rage gebracht hatte und ein tödliches Spiel mit ihnen begonnen hatte. Blitze erhellten den Himmel und ließen die erschöpften Gesichter bleich aussehen. Die eine Hälfte ruderte, die andere Hälfte schöpfte Wasser aus dem Boot und doch wollte der Sturm kein Ende nehmen. Um ein Haar kenterte eines der Helvegener Schiffe, als eine kräftige Welle es seitlich traf und ein Blitz brannte sich durch den Mast von Skjoldur und riss ein Leck in eine der Planken. Weit auseinandergetrieben kämpften die Clans ums bloße Überleben.

Schließlich griff sich Sigurd eines der panisch blökenden Verrs, hielt es fest über die Reling und schlitze ihm die Kehle auf um Thor durch ein Opfer zu besänftigen. Die Antwort war eine Windbö, die das prachtvolle Segel der nördlichen Wälder zerfetzte.

Rudert! erklang von hinten ein Ruf. Zeigen wir den Göttern, aus welchem Holz wir geschnitzt sind, erkämpfen wir uns ihr Wohlgefallen, denn das können wir am besten, KÄMPFEN und wenn es der letzte Kampf sein sollte, so gehen wir doch nicht kampflos!” 

Odin! stimmten die Männer vielfach ein und dennoch wurde ihr lautes Brüllen wurde vom tosenden Sturm verschluckt. Hände, Arme und Rücken wurden zu einer eisigen schmerzenden Masse, die sich mit allem aufbringbarem Willen an Ruder und Leben festhielt. Der Kampf hatte bereits begonnen, bevor man die goldene Insel überhaupt erreichte.

Es galt diese Prüfung der Götter zu bestehen und stärker als je zuvor daraus hervorzugehen oder zu scheitern und zu sterben.

Abschied

Die langen Vorbereitungen waren schneller vorüber, als es Lovis recht war. Nur eine Nacht war ihr nach der Rückkehr vom Tempel in Uppsala geblieben, eine letzte Nacht mit ihrem Gefährten, bevor die Schiffe sich auf den Weg nach Scagnar machen würden, wo die Nordclans sich zu einer gewaltigen Flotte vereinen würden.

Obwohl sie die freudige Überraschung eigentlich hatte für sich behalten wollte, bis Sigurd wieder sicher zurückgekehrt war, brach es nun doch aus ihr hervor als er ihr auftrug ihn genauso wieder zu empfangen, wie er sie hier verlassen hatte. Nein, ihr Bauch würde sich gerundet haben und das gab sie ihm mit auf den Weg.

abreise_004

Mit ihm zogen ein Großteil aller kampffähigen Männer und Schildmaiden, sowie einige heilkundige Weiber. Für eine Weile würde nun Lovis die Jarlspflichten wahrnehmen. Sie versuchte sich ihre Sorgen nicht anmerken zu lassen und schluckte die aufkommenden Tränen hinunter, als die Schiffe ablegten und den Fjord hinunterglitten. Rebekka war nicht einmal bis an den Steg gekommen, der Abschied von Sjard hätte sie zu sehr aufgeregt und auch Cortie und Saphira hatten sich offenbar in aller Stille voneinander verabschiedet.

abreise_002

abreise_003

abreise_006

Lovis strich Thorin und Gyda sanft übers Haare, während die Boote am Horizont immer kleiner und blasser wurden. Schließlich hatte der Dunst sie vollkommen verschlungen und Stille lag über Helvegen.

 

Runen für den Sieg – im Tempel von Uppsala

Sie wussten von drei Wegen, die hoch zum Tempel führten und wählten sich den ihren. So zogen sie bergaufwärts, weiter und weiter. Oben ruhte der Tempel der Asen und Wanen auf dem Felsen, wie ein Herlit mit angelegten Flügeln und ruhigem, aber aufmerksamem Blick.

Das letzte Stück legten sie über eine Hängebrücke zurück, die sie sicher über den tiefsten Abgrund führte, den Lovis je gesehen hatte. Sie hielt die Kinder fest an sich gedrückt und atmete erst auf, als das schwankende Holz hinter ihnen lag und ich vor ihnen die hölzernen Pforten des Tempels herhoben.

Snapshot_001

Nach etwas längerem Warten und Ausruhen fand sich auch Arcturus ein, der sich dem Dienst am Tempel verplichtet und sich als Jarl von Fehu Isa deshalb zurückgezogen hatte. Als Runenpriester hieß er den Clan von Helvegen willkommen und leitete die Opferzeremonie. Ganz Helvegen bat die Götter um einen ruhm- und beutereichen Sieg auf dem bevorstehenden Viking. Schon morgen würden Männer und Schildmaiden in See stechen und Kurs auf Chrysos nehmen.

Snapshot_003

Nachdem das Blutopfer gebracht war, hieß Arcturus Sigurd, Jarl von Helvegen, zwei Runen zu ziehen. Fehu und Kenaz. Wer mit Leidenschaft kämpft, wird Ruhm und Wohlstand heimbringen.

Das war eine gute Nachricht und ein Aufatmen ging durch den Raum. Zuletzte wurden einige persönliche Opfer dargebracht.

Snapshot_004

Lovis opferte die goldene Kette, die das letzte Andenken an ihre Vergangenheit und an ihre alte Familie war. Gleichwohl sie mit Worten um die Heimkehr aller Helvegener zu ihren Liebsten bat, waren ihre Wünsche und Gedanken ausschließlich bei Sigurd.

Beunruhigende Nachrichten hatten Saphira und Cortie aus Belnend mitgebracht und so mischte sich nun in die anfänglich reine Zuversicht die Angst, dass ihr Gefährten womöglich eine größere Herausforderung bevorstand als angenommen.

Das Frühjahr

Mit dem Frühjahr in Helvegen begannen die eifrigen letzten Vorbereitungen für den Beutezug nach Chrysos.

jarlstag_002jarlstag_003jarlstag_004

Snapshot_006
Lovis beim Imprägnieren des Segels

Eine letzte Ladung Holz beschafften Sjard und Jorund in Lydius, so dass auch das letzte Schlangenschiff fertig gestellt werden konnte, an dessen Segel die meisten Weiber in Helvegen gearbeitet hatte. Einige Gefährtenschaften wollten geschlossen werden, aber es war noch unklar, ob die Männer ihre Aufgaben vor der Abreise erfüllen konnte um die gewählten Weiber auf den Runenberg führen zu dürfen.

Snapshot_005
In Liebesdingen: Rebekka sucht Rat beim Orakel und findet Antworten
cortie_saphira_001
Cortie und Saphira wollen sich verbinden
sjard_001
Sjard kehrt von der ersten Aufgabe zurück
sjard_002
Die Freude bei Rebekka ist groß
Snapshot_001
Besuch in Skjoldur
Snapshot_002
Zum Erhandeln von Saatgut und zum Gewinnen von Mitstreitern

Fensalir feierte das Frühjahr mit einem Markt und einem Opfer für Ostara.

saria_001
Saria erzählt vom Markt
markt_008
Lovis am Markstand
markt_009
Sigurd kauft seltsame Tränke
markt_010
Lovis’ Allzweckdecken, bekannt im ganzen Torvaldsland
markt_011
Gaia erwartet Zwillinge
markt_012
Taaras Holzfiguren finden reißenden Absatz
fensalir_004
Eine Nacht in Aegirs Halle
ritual_markt_001
Die Seherin und das Opfer für Ostara

In Helvegen bereitete man wenig säter die Aussaat mit einem Opfer an Freyr vor.

freyr_002
Lovis spricht ein Gebet an Freyr
freyr_003
Das Opferblut wird aufgefangen
freyr_004
und auf den Feldern verteilt
freyr_005
Sigurd und Jorund zerlegen das Fleisch

PS. Dank für das schöne Gruppenfoto an Melody. 🙂