Zänkisch wie Weiber

Es war Yoric, der schließlich zur Versammlung reiste. Der Weg nach Axe war nicht weit, was sich als glückliche Fügung herausstellte, denn das Treffen der Jarls sollte fast kürzer gehen als die Reise selbst. Das eigentliche Thema, nämlich die Geschehnisse auf dem Thing und die Angelegenheit mit Belnend, ging unter in Gezank, das Weibern besser zu Gesicht gestanden hätte als den Anführern der Dörfer des Torvaldslandes und Yoric gelangte zu der Überzeugung, dass der Norden alles andere als einig da stand.

Dies bestätige ihn wohl in seinem Urteil, dass sich jeder selbst der Nächste war und dass der Rat des Nordens das erste Besäufnis nach dem Thing schon nicht mehr überstanden hatte. Um wenigstens noch etwas zu retten und nicht ganz mit leeren Händen und ohne Ergebnis nach Helvegen zu kommen, tat er das Naheliegende: Er bot Axe Zusammenarbeit und ein Bündnis an, was auf Grund der Nähe der beiden Siedlungen für beide ein Gewinn wäre. Doch bevor eine Einladung an Axe ergehen konnte, musste er die Angelegenheit mit seinem Bruder besprechen.

Recht zügig waren sich die Brüder Sigurd und Yoric über das weitere Vorgehen einig:

Verlässliche Bündnispartner waren nötig. Vor dem Winter mussten die Vorräte aufgefüllt werden, insbesondere wenn man Axe noch zu einer Festlichkeit laden wollte. Da Vorräte nicht einfach zu beschaffen waren, beratschlagte man am Feuer der Hall auch mit den anwesenden Weibern welche Orte wohlhabend genug waren um sich dort zu bereichern. Vor allem galt es Korn, Zucker und Heu zu beschaffen um Vieh und Mensch über den langen Winter zu bringen. Dass dies nicht mit Handel allein zu bewerkstelligen sein würde, war jedem der Anwesenden nur zu klar. Man würde in einem unerwarteten, günstigen Moment zuschlagen müssen.

helvegen_026

 

 

Advertisements

Zeiten der Unruhe

Das Orakel hatte die Führung der Siedlung auf zwei starke Schultern verteilt, die zwar Brüder waren, aber unterschiedlicher kaum sein konnten. Yoric, der Spalter, der sich keine Mühe gab seine täglichen Launen zu verbergen, saß nun oberhalb des Salzes als Thane über Helvegen, genauso wie sein Bruder Sigurd mit dem Beinamen Rotbart, der ohne Zweifel der Ruhigere von beiden war und nun Jarl von Helvegen geworden war.

Eine Einladung war überbracht worden zu einer Versammlung der Jarls des Nordens und der Grund sollte etwas sein, das auf dem Thing geschehen war.  Da in Helvegen in diesen unruhigen Zeiten fast täglich Fremde auftauchten, mit mal mehr und mal weniger seltsamen Anliegen und Ansprüchen, war man noch nicht einig, wen man zum Treffen entsenden wollte. Bisland hatte das Orakel niemanden zu sich gerufen oder etwas zu dem Treffen verlauten lassen.

Von den vielen rastlosen Wanderern, die in der Siedlung auftauchten, wurden nur wenige aufgenommen, die nützlich zu schein schienen und mit den nordischen Sitten vertraut schienen oder diese zumindest respektieren konnten: Ein beleibter Händler, ein Fischer und Holzarbeiter und eine Korbflechterin.

Einen besonders dreisten Schmarotzer fand man morgens mit einer Bond in den Fellen von Yoric vor, ohne, dass ihm zuvor die Gastfreundschaft ausgesprochen worden war. Sein Boot mit Waren behielt man für den Clan, während man ihn selbst mit Pfeilen aus dem Dorf in die eisige Wildnis jagte, die Helvegen in ihrer kalter Umarmung hielt.

Eine Bond, die nach einem Diebstahl die Nacht in eisiger Kälte in einem Käfig überlebte, ging ebenfalls in das Eigentum des Clans über und ging fortan ihrer Bestimmung nach: dem Dienen und nützlich sein.

diebin_001

Helvegen

Nicht viel von Menschen bewohntes Gebiet lag noch nördlicher als Helvegen. Die mächtigen Spitzen der Hrimgar Berge zeichneten eisige Muster in den Horizont. Vom Fjord her trieb der Wind die nasskalte Luft hinein ins Land, blies sich manches Mal zu einem Sturm auf, der sich tobend an den strohgedeckten Dächern, den hölzernen Wänden und Türen verbiss , die dem kargen felsigen Land trotzten und zu Helvegen gehörten, dem Dorf, dessen Siedler mit ihren Drachenbooten Strangfyorthe getrotzt hatten, der starken Strömung, nach der sie den Fjord einst benannt hatten.

Der Clan lebte vor allem vom Plündern und Rauben in südlicheren Gefilden und nicht vom Fischfang allein und noch viel weniger von dem spärlichen Ackerbau, den das felsige Land und der sehr kurze Sommer zuließen. So waren die Männer erfahrene Bootsbauer und Navigatoren, mit allen Wassern der Thassa gewaschene Seeleute und unerbittliche Gegner im Kampf.

Den Handel mit Fellen und Bernstein überließen sie vor allem ihren Frauen, die in Zeiten ausgedehnter Plünderfahrten allein für das Dorf verantwortlich waren. Mit diesem hohen Maß an Verantwortung war das Maß an Freiheit für die freien Frauen von Helvegen höher als in den zentralen und südlichen Regionen Gors und dennoch bestand auch im Helvegen kein Zweifel, dass ein Weib einem Mann zu gehorchen hatte, vor allem, wenn sie vor den Göttern oder innerhalb der Familie miteinander verbunden waren. Für gravierende Fehltritte drohte einem Weib der Bondkreis, Sklaven kamen jedoch vor allem aus dem Süden und als Beute von Raubzügen nach Helvegen und dienten fortan als Arbeitskräfte. Auch die alte Tradition den Göttern gelegentlich einen Sklaven zu opfern, hatte man hier noch nicht ganz abgelegt.

Merken

Merken