Samhain und Gäste aus der Ferne

Während das südlichere Torvaldsland samt Axe noch den Sommer verabschiedete und den Göttern Dankesopfer für die reiche Ernte brachte, hatte man sich in Helvegen schon auf den Winter eingestellt. Schiffsbau und Feldarbeit lagen nun brach, so dass die Abende länger wurden als gewöhnlich. Der Torvaldsstrom würde noch eine Weile dafür sorgen, dass die Passage gen Norden frei blieb, aber der Effekt der warmen Meeresströmung würde nicht den ganzen Winter über ausreichen jeden Fjord von dickem Packeis freizuhalten. Umso willkommener waren nun Besucher, die dennoch die Schiffsreise mit ungewissem Ausgang gewagt hatten und Abwechslung boten.

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Es war die Baumeisterin Nasty aus der Nähe von Belnend, die als wissbegierige Frau nicht vor den Gefahren zurückgeschreckt war, Baukunst und Brauchtum des Nordens kennenzulernen. So reiste sie mit einem ganzen Gefolge an Sklaven, schweigsamen und etwas zwielichtige wirkenden Wachen und ihren engsten Vertrauen an und wurde – dank der Fürsprache von Lovis, die sich der entgegengebrachten Gastfreundschaft im Süden erinnerte – auch in der Langhalle untergebracht. Dort bewiesen die Südländer, vor allem die Frauen unter ihnen, einige Anpassungsfähigkeit, die wohl auch gerechterweise mit einem Gastrecht bis einschließlich Samhain honoriert wurde. Sogar Jale, die Heilerin, ließ sich von Lovis davon überzeugen, dass es zu ihrer eigenen Sicherheit wichtig war, auf den Gesichtsschleier zu verzichten um als Gast das nordische Brauchtum zu ehren.

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Ebenfalls in diesen Tagen schaffte es Niara, die Schneiderin unter dem Schutz ihres Gefährten Byron, nach Helvegen um die Wünsche und Maße des Orakels für ein angemessen stattliches Gewand aufzunehmen. Ihr Besuch in den Höhlen verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle und unter der Führung von Sigurd und Yoric. Zwar hätten die Kosten für das edle Seherinnengewand fast die gesamten privaten Ersparnisse des Jarls aufgebraucht, aber Byron und Niara betrachteten es offenbar es als ihre Pflicht den Göttern gegenüber die Münzen dafür in Vakur aufzutreiben.

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Die Sklaven aus dem Süden waren allesamt ehrgeizig genug sich einige der begehrten Holzperlen verdienen zu wollen und packten fleißig bei den Festvorbereitungen mit an. Abends war die Halle gut gefüllt und von Stimmen und der Wärme der Feuerstelle gleichermaßen erfüllt. Die eine oder andere Göttergeschichte wurde erzählt und auch den Sagen und Legenden um Helvegen wurde gern gelauscht und so kam es, dass sich auch unter den Gästen aus dem Süden das Wissen um die rätselhafte Seherin in der Höhle ausbreitete.

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Einem der sinistren, schweigsamen Begleiter von Nasty war es unterdessen gelungen, den angeblichen Speer von Odin in einer Höhle bei Axe zu bergen. So kam es zu einem Boskhandel, bei dem Sigurd im Tausch gegen den goldschimmernden Speer mit dem prachtvoll schimmernden Kristall und eine Goldmünze zwei Südlingen gestattete, die Höhlen unter dem Berge zu betreten um ihr Glück zu versuchen und die Seherin zu finden: Nasty, die Wissbegierige und der Schweigsame sollten getrennt voneinander und versehen mit dem grünen Trank hineingelassen werden in das natürliche Labyrinth, das den Berg in seinem Inneren aushölte wie Luftblasen einen Laib Käse. Es war nur fair von Sigurd, dass er sie auf die Gefährlichkeit ihres Vorhabens aufmerksam machte, ihnen jedoch zeitgleich und mit einem durchaus räuberischen Blickwechsel mit seinem Weib Lovis klar machte, dass es keine Karte geben würde, die ihnen Weg und Gefahren im Höhlensystem aufzeigen würde. Lovis hatte insbesondere auf den männlichen Sklaven ein Auge geworfen und würde ganz sicher nicht zögern, diesen nach dem Tode seiner Besitzerin als Eigentum von Helvegen zu übernehmen.

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Winter

Das Bündnis mit Axe sollte halten, auch in Krisenzeiten. Das tat es. Noch bevor Lovis, die Frau des Jarls mit Zwillingen niederkam, standen Helvegen und Axe sich Seite an Seite einem Konflikt gegenüber, der zwischen Vakur und Manegam zu gären begonnen hatte.

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Der Krieg gegen den Süden schien kaum mehr als eine Erinnerung, seitdem der Kommandant von Belnend beim Orakel in der Höhle gewesen und in Frieden gegangen war. Aber war ein Streit unter den Nordclans nicht weitaus schlimmer?

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Obwohl zuerst von einem Brudermord die Rede gewesen war, stellte sich heraus, dass ein junger Krieger es mit der Wahrheit nicht ganz so genau genommen hatte und lediglich ein Thrall getötet worden war, der einst ein Bruder gewesen war, bevor er versuchte ein Haus niederzubrennen. Wohl doch nicht ganz zu Unrecht forderte nun Manegam den Kopf des Lügners und das Totschlagsthing lief nicht ganz so wie man es erwartet hatte nach der ersten Vakur’schen Version der ganzen Geschichte. Die Skepsis von Chang aus Axe war wohl begründet gewesen und doch tat es gut zu wissen, dass er mit Helvegen im Schildwall gestanden hätte, wenn es hart auf hart gekommen wäre.

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Zwei Hand nach der Geburt der Zwillinge Thorin und Gyda kam der Winter nach Helvegen. Er kam zuerst in Form eines unseligen Konflikts zwischen Yoric, dem Thane und Lovis, der Jarlsfrau und entzündete sich über zwei schöne Schwerter, die eigentlich als ehrenvolle Geschenke an Helvegens neue Kinder gedacht, zum Streitpunkt wurden, so dass die außer Rand und Band gehaltene Lovis aus Belnend wieder heimgebracht werden musste. Nicht oft, aber doch einige Male war es vorgekommen, dass eine junge Frau nach der Geburt die Nerven verlor, so sagten die alten Weiber. So bat man erneut Armari, die Schamanin der Ki-Kara in die Halle nach Helvegen um Lovis zu helfen. Zu diesem Anlass erfuhr man, dass womöglich bald der Zeitpunkt gekommen war, an dem die Männer dem Stamm der Waldweiber behilflich sein konnten – denn diese sahen sich einer Bedrohung ausgesetzt, deren Ursprung noch im Dunkeln lag.

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Dann kam der echte Winter. Er kam von Norden und trieb mächtige Eisschollen vor sich her und in den Fjord, wo sie sich zu knirschend und krachend zusammenschoben zu mächtigen Gebilden. Noch einige Frostnächte und es konnte sein, dass der Fjord gänzlich unpassierbar war.  Zum Fischen schlugen die Männer Löcher in die Eisschicht und das ganze Dorf war damit beschäftigt alle Fugen und Ritzen der Häuser mit Torf abzudichten, denn der Wind fraß sich mit scharfen Zähnen überall hin, wo man ihm keinen Einhalt gebieten konnte.

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