Ein im Alleingang einiger Männer aus Skjoldur genommene Gefangene des Südlagers wurde mit einer Forderung zu seinem Kommandanten zurückgeschickt. Das Südheer soll Chrysos umgehend verlassen oder in der Konsequenz würden alle getötet werden, die man in die Hände bekam.

Im Vergleich zum Süden mit seiner klaren Befehlskette erschien der Norden in all seinen Aktivitäten wenig geordnet und mehr spontan. Unter den Jarls musste jede Entscheidung gemeinsam getroffen werden und selbst wenn das geglückt war, taten einige Männer dennoch etwas anderes. Trotzdem war das Nordheer nach wie vor nicht zu unterschätzen, denn zuweilen lag im urwüchsigen Chaos eine starke Energie, die furchteinflößend sein konnte und auch den Feind mit Unvorhergesehenem zu überraschen vermochte.

Am zweiten Tag in Chrysos nahmen die Nordleute den Konvent der Wissenden ein um hernach über eine gut befestigte Anlage mit starken Mauern zu verfügen und einem weiten Blick über Strand und Wiesen, der jeden Angreifer lange im Voraus erfassen würde.

Im Konvent selbst hatten an jenem Tag nur die wirklichen Fanatiker der weißen Kaste die Stellung gehalten. Alle anderen hatten es vorgezogen bei Nacht und Nebel Schutz in der Siedlung zu suchen. Der Älteste von ihnen überzog die Torvalsländer mit seiner ganzen Verachtung, als sie ihn aufforderten das Tor freiwillig zu öffnen. Er soll sogar von der Mauer uriniert haben, natürlich auf die seiner Kaste zu eigene, sehr würdevoll herablassende Art.

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Als das Tor aufgebrochen wurde und die Übermacht des Nordheeres in den Innenhof strömte, versuchte er in einem letzten heroischen Akt das Allerheiligste mit seinem Leib zu schützen, bekam dann aber einen Schild an den Schädel und verstarb an einer Hirnblutung, noch bevor man ihm den Schlüssel zum Konvent vom Gürtel reißen konnte.

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Die kampferprobten Torvaldsländer stürmten in alle Räume, nahmen alles an sich, was ihnen wertvoll erschien, einschließlich der Opferschalen und Leuchter im Allerheiligsten und sogar die goldenen Ringe an den Mauern wurden aus ihren Befestigungen gerissen und fortgetragen, während das ihnen fremde Mobiliar zertrümmert und verbrannt wurde. Mühevolle verfasste Schriften und das Wissen von Jahrhunderten gingen innerhalb weniger Ehn in Rauch auf, nur einige wenige Männer hatten sich von den Schriftrollen ein paar in die Stiefel gesteckt.

Nein, die Priesterkönige zeigten sich nicht an jenem Tag. Vielleicht war ihnen Tod oder Leben einiger Wissender gleichgültig, vielleicht passte es sogar in ihre geheimen Pläne, aber niemand erlag dem blauen Flammentod und so ließ der einfache Sieg für alle Nordmänner nur eine Schlussfolgerung zu: Ihre Götter waren mächtiger als die des Südens und mit ihrem Wohlwollen hatten sie sich erste, reiche Beute geholt.

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One thought on “Erste Beute und eine neue Festung

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