Es war kein Fehler gewesen, das Gespräch mit den anderen Jarls zu suchen. Geirolfur aus Skjoldur hatte sich ebenso wie der neue Jarl von Fehu Isa als guter Zuhörer gezeigt und so konnte einiges Licht in das Dunkel von Gerüchten und übler Nachrede gebracht werden. Letzte Unstimmigkeiten konnten auf dem Thing geklärt werden, wenngleich es den einen oder anderen gab, der sich nach wie vor benachteiligt und unverstanden fühlte. Zumindest unter den Jarls schien wieder eine Art Einigkeit zu bestehen und doch ging das Vertrauen ineinander nicht so weit, dass man sich auf eine Highjarl hätte einigen können. Auch unter den Angehörigen einiger Clans saßen die entstandenen persönlichen Feindschaften tiefer als unter Umständen vermutet. So fiel es auch Lovis schwer, der Einladung zum Mittsommerfest in Fensalir Folge zu leisten.

Sie reiste schließlich aus Dankbarkeit Sigurd gegenüber mit, denn zwischen Thing und Mittsommer hatten sich die Schatten der Vergangenheit erhoben und forderten ihre ungeteilte Aufmerksamkeit:

Zwei Männer – nun eigentlich ein Mann und ein junger Kerl – waren mit einer Sklavin in die Helvegener Halle gekommen und suchten nach einer gewissen Cecilia aus Lydius.  Ein Bildnis hatten sie mitgebracht, das die blonde junge Frau im Haus ihres Vaters zeigte, unverschleiert. Es war Brunhilda, die das Bild als erste zu Gesicht bekam, jedoch schwieg. So wie Lovis schwieg, obwohl ihr zumute war als würde mit einem Mal die Halle über ihr zusammenbrechen, weil das Schweigen sie und ihr neues Leben im Norden nicht länger tragen wollte.

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Es war Lucia, die die Männer geschickt hatte, ihre Halbschwester. Und sie hatte den Aufwand nicht umsonst getrieben und schien sich an jeden Strohhalm Hoffnung klammern zu wollen: Das Haus ihres Vaters war in Gefahr und mit ihr Lucia selbst, die nach Cecilias Verschwinden den Landsitz des Hauses Crispus verlassen und ihrem Vater zur Hilfe eilen musste. Zu allem Überfluss sollte sie nun angeklagt werden wegen Spionage durch den Prätor von Lydius und es war ihr verboten worden die Stadt zu verlassen. Damit lag der Handel praktisch brach. Und über all den Sorgen um das Handelshaus schwebte die Angst vor einem Kragen um Lucias Hals.

Es war nicht so, dass Lovis ihrer Halbschwester besonders innig verbunden war, im Gegenteil – sie hatte sie als rechthaberisches und eitles Wesen kennen gelernt, das Cecilia so ziemlich jede Aufmerksamkeit neidete und Cecilia war froh gewesen, als Lucia Gaius Crispus gefährtet und mit ihm in Victoria ein Sklavenhaus geführt hatte.

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Und dennoch gab sich Lovis nun zu erkennen. Denn Lucia wäre niemals ohne Grund in das vom Krieg und nordischer Ausbeutung gepeinigte Lydius zurückgekehrt, hätte ihr Vater sie nicht befohlen. Und er hatte dies nur getan, weil er den Verlust seiner jüngsten Tochter nicht verkraftet hatte. Cecilias Verschwinden hatte Iulius Crispus das Herz gebrochen und er versank in Trauer und Paga. Zumindest lautete so seine Version der Dinge. Lovis wusste es besser. Er war vor allem im Selbstmitleid darüber ertrunken, dass die Verbindung mit dem reichen Händler aus Helmutsport gescheitert war, der Cecilia sich mit ihrer Flucht erfolgreich entzogen hatte.

Warum nun Dankbarkeit Sigurd gegenüber? Sigurd hatte sich bereit erklärt ihre Schwester Lucia aus dem lydianischen Joch zu befreien bevor man sie anklagen und ihre einen Kragen um den Hals legen konnte.  Während der Clan nach Fensalir zur Mittsommerfeier reiste, brach Jale nach Lydius auf um sie Lage auszukundschaften.

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