Winter

Der Winter kam schnell. Nach ein paar Frostnächten und Schneeregen, der Helvegen in Schlamm versinken ließ, waren die Bewohner fast froh, als endlich der erste Schnee gefallen war und es so kalt wurde, dass der Schlamm gefror und mit einer gnädigen weißen Decke verborgen wurde.

So war es immer zu Beginn, wenn die Natur in ihre Winterstarre fiel. Der Schnee war neu und setzte unbändige Freude frei in der Brust der Nordleute, denn er verlieh der Landschaft ringsum eine fast heilige unschuldige Schönheit, die man nur den Göttern zuzuschreiben vermochte. Auch für die Kinder des Clans war die Zeit des ersten Schnees eine Zeit von Fröhlichkeit und ausgelassenen Spielen.

Doch es war nun auch die Zeit gekommen, in der Helvegen von seinen Vorräten zehren musste. Die Tabuks waren fort – wie jeden Winter waren sie gen Süden gezogen um das Überleben ihrer Art zu sichern. Anderes Wild war schwerer zu jagen und die Wanderungen durch die Wälder und bis hoch in die Berge waren mit Gefahren verbunden, so dass zur Jagd immer mindestens zwei Männer das Dorf verlassen mussten.

Es würde sich zeigen, ob der Clan genügend vorgesorgt hatte. Denn der Winter war früh gekommen in diesem Jahr und manch altes Weib flüsterte davon, dass auf einen so ungewöhnlich warmen Sommer immer ein besonders harter und langer Winter folgte.

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Gleichzeitig rückte Samhain, die Nacht der Ahnen näher.

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Bevor der Winter kommt

Jorund und Calla wurden an einem der letzten Tage verbunden, an denen die Bäume in den Wäldern noch buntes Laub trugen. In Helvegen hatte nun so gut wie jeder einen gefunden, zu dem er bei eisiger Kälte unters Fell kriechen konnte und die wenigen, bei denen es nicht so war, würden mit einer Bond vorlieb nehmen müssen oder sich an dem Gedanken erfreuen, dass die Wärme zurückkehren würde, irgendwann im nächsten Jahr.

Lovis hatte den Runenberg gemeinsam mit Gyda geschmückt, die sich nach wie vor große Mühe gab, folgsamer und freundlicher zu sein. Gelb, Orange, Rot und sattes Grün überwogen, denn draußen in der Natur war kaum mehr anderes zu finden.

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Taara, die nach einer Operation noch nicht wieder laufen durfte, ließ sich von ihrem Gefährten, dem Schmied, auf den Runenberg tragen, damit sie anwesend sein konnte.

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Sigurd war – wie meistens – als erster auf den Runenberg um einen Moment stille Zwiesprache mit den Göttern zu halten.

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Callas Schönheit, die sich nicht nur auf ihre äußere Erscheinung beschränkte, sondern auch durch ihr angenehmes Wesen ausstrahlte,  hatte nicht nur Jorund beeindruckt. Als sie an Sjards Arm auf den Berg geführt wird, geht ein leises Raunen durch die Gruppe der Versammelten.

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Der Tausch der Schwerter geht reibungslos vonstatten.

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Und auch beim Ringtausch fällt kein Ring zu Boden.

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Als beide ihren Schwur geleistet haben, geht es endlich an den ersten Kuss, der nicht vor den Augen des misstrauischen Jarlsweibes verborgen bleiben muss.

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In der Halle drängen sich die Feiernden.

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Es herrscht ausgelassene Stimmung und Geschenke werden übergeben.

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Unvermeidbar das Schlemmen und Saufen bei einer Gefährtenschaft.

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Calla und Jorund, endlich vereint vor gefüllten Tellern und Schalen.

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Der ein oder andere hat zwar noch schlimme Kopfschmerzen vom Besäufnis des Vorabends unter den Kerlen, aber auch an jendem Abend wurde derart gebechert, dass manche zu berichten wissen, dass Lovis sogar auf der Bank gestanden haben soll, um einen Fremden davon zu überzeugen, dass sie wirklich ein Weib ist.

 

 

Handelskarawane aus Belnend

So manch einer von den Mitreisenden, der nur südliches Klima gewohnt war, hat sich wohl ordentlich den Arsch abgefroren, als der Handelstreck aus Belnend und Kafal vor den Toren von Helvegen lagerte.

Die herbstliche Kälte hatte schon viel von dem im Sommer sprießenden Grün vertrieben und was zurückblieb war karger, felsiger Boden und Schlamm, in dem die Räder der Häuser auf Rädern, wie Sigurd die fremdartigen Gebilde der Belnender genannt hatte, einsanken und ein Vorankommen äußerst mühsam machten.

Dennoch war der Handel für beide Seiten fruchtbar. Lovis konnte genügend Korn für den bevorstehenden Winter tauschen und außerdem noch Larmas zutauschen, aus denen man Saft pressen wollte.

Mit dem Treck verließen einige Felle und Bernsteine den hohen Norden. Das Zusammentreffen des Helvegen Clans mit den Belnender lief weitgehend friedlich ab, denn guten Geschäften war keine Seite abgeneigt und nur gelegentlich flammte noch vereinzelt Hass im südlichen Lager auf über die erbitterten Kämpfe auf Chrysos.

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Herbstopferfest in Helvegen

Da Sigurd für eine Weile in Familienangelegenheiten seines Onkels unterwegs war und Yoric sich selten in der Halle zeigte, übernahm Jorund auf Geheiß hin die Verhandlungen mit Belnend und die Verantwortung für das Wohl des Dorfes.

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Lovis nutzte die Zeit um zu den Arquana zu reisen. Sie teilte nicht die Meinung ihres Gefährten über den rechtmäßigen Besitz des Silbers und wollte um jeden Preis einen Zweifrontenkrieg vermeiden, in dem Helvegen aufgerieben werden könnte. So gab sie einen anderen Reisegrund vor, als Jorund nachfragte und machte sich in Gesellschaft von Taara und Sjard auf den Weg. Sjard hatten sie um Dunkeln gelassen über das Ziel der Reise, so dass man ihn dort angekommen zunächst mit einem geräucherten Schinken bestechen musste. Brunhilda war nachgereist, zeigte sich aber einverstanden mit dem Vorhaben, so dass es zu keinen weiteren Verzögerungen kam. Vor Orte und vor dem Lager der Waldweiber überschlugen sich jedoch die Ereignisse, so dass Sjard um ein Haar in die Gefangenschaft der Ki-kara geraten wäre, weil er seinen Schinken nicht teilen wollte. Das Silber konnte jedoch übergeben und Frieden hergestellt werden. Dass die Waldweiber sich nach dem Verbleib des Kriegspfeils der Torvaldsländer erkundigt hatten, hatte Lovis nicht weiter in Aufregung versetzt. Denn der alte Pfeil Torvalds war verschollen und der neue Pfeil der Clans würde sicher verwahrt sein, davon war sie überzeugt.

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Zuhause angekommen stellte der misstrauisch gewordene Jorund sie zur Rede, vielleicht hatte auch jemand sie verraten, das ließ sich nicht mehr wirklich ergründen. Da aber die Mission schon vollzogen war, hoffte Lovis auf eine geringe Strafe, sobald Sigurd zurück sein würde.

Die Kinder von Helvegen testeten ihre Freiheiten aus. Faustkämpfe im Wald führten zu dem ein oder anderen verlorenen Zahn und zu krummen Nasen. Schließlich überspannten aber Gyda und Aaron den Bogen und rissen für ein paar Tage aus um im Wald den Clan der Halsabschneider zu gründen. Yoric führte die erste Suche an, jedoch scheiterten die Pläne der jungen Ausreißer an einer Pilzvergiftung und so wurden sie von Jorund und Brunhilda gerettet.

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Jorund hatte die Rückkehr des Jarls wohl gleich aus zwei Gründen herbeigesehnt, zum einen konnte er die Last der Verantwortung wieder schmälern, zum anderen um das Weib Calla anhalten. Wie es üblich war, stellte Sigurd ihm drei Aufgaben um das Weib zu freien. In der ersten Aufgabe gelang es ihm das Brautgeld für Calla im Süden zu erbeuten, die zweite Aufgabe führte ihn in einer tiefer führenden Beschäftigung mit den Göttern auf den Runenberg, denn es oblag ihm das Haustblot darzubringen.

Die eingebrachte Ernte war mit abendlichen Einladungen zu Speis und Trank gefeiert worden, die reihum erfolgten, so dass ein jeder einmal Gastgeber und mehrmals Gast sein konnte. Die Idee des Fischers war aufgegriffen und umgesetzt worden.

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Zur Tag- und Nachtgleiche trafen sich alle auf dem reich geschmückten Runenberg und Jorund brachte den Opfer ihren Anteil an der Ernte dar. Bei dieser Aufgabe wuchs er über sich hinaus, so dass alle – Sigurd eingeschlossen – voll des Lobes waren. Es war ein würdiges Ritual, bei dem die Anwesenden sich den Göttern nah und ergeben fühlen konnten.

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Die Bänder des Zusammenhalts waren bekräftigt. Es sollte sich herausstellen, dass das Zusammenstehen des Clans und die alten Riten dazu geführt hatten, dass sich einige Torvaldsländer auf Reisen dem Clan anschließen wollten.

Der Sommer vergeht

Der Sommer hatte einiges an Schrecken für die Helvegener bereit gehalten, das insgesamt wohl auf die Rache einiger Kurii zurückzuführen gewesen war. Um gegen den Ansturm der Bestien gewappnet zu sein, hatte Helvegen nicht nur auf die nordischen Clans zurückgegriffen, sondern auch eine Art Bündnis mit den Arquana geschlossen, deren En ihnen auf einer Versteigerung in Belnend als Bond in die Fänge geraten war. So hatte man gute Verhandlungspositionen. Dass die Kurii intelligenter als allgemein angenommen waren, hatte sich seit dem letzten Winter schon herumgesprochen, dass große Teile ihrer Technologien noch unerforscht waren, dies hatte Helvegen diesen Sommer zu spüren bekommen. Noch immer lag eines der unheimlichen metallenen Kästchen mit dem leuchtenden Glaspunkt oben unter einem Busch begraben, damit es nicht noch mehr Unheil anrichten konnte.

Übermütig vom Sieg verweigerte Jarl Sigurd den Arquana die Rückgabe des Beutels mit dem Silber, das als Pfand zurückgelassen worden war. Diese schworen Rache, doch bevor es soweit kam, gelangte schon die nächste Kriegsmeldung nach Helvegen: Erneut schien die Fehde zwischen Belnend und Fensalir aufgebrochen zu sein, nachdem sie offentlicht nie mehr richtig verheilt war. Besonders Lovis begann um die ertragreichen Handelsbeziehungen mit dem Süden zu fürchten und geriet ins Grübeln darüber, ob die anderen Clans keine Ernten einzubringen hatten in diesen Tagen. Immerhin liebten es die Götter nicht, wenn man ihre Gaben auf den Feldern und Äckern verfaulen ließ. Noch etwas gefielt Lovis nicht. Es war ihr Wort, dass sie den Arquana gegeben hatte und Sigurd hatte es gebrochen. Das nagte Nacht für Nacht an ihr und ließ sich auch nicht wie üblich mit seinem Charme und einem leidenschaftlichen Kuss fortzaubern.

Während die anderen ihre Gedanken auf das Thema Belnend konzentrierten, kreisten ihre Gedanken um das gebrochene Wort. Der Beutel mit dem Silber lag wohl verwahrt in ihrer Vorratskammer, aber sie konnte dem Glanz der Münzen – anders als sonst – keine Freude abgewinnen.

Die Ernte war in vollem Gange und eigentlich war Lovis unabkömmlich, denn wie jeder wusste, machte sich sofort Müßiggang breit, wenn das Jarlsweib nicht alle Arbeiten sorgsam überwachte. Andererseits gab es etwas zu regeln, das Lovis so nicht auf sich sitzen lassen konnte. So erzählte sie etwas von dringenden Familienangelegenheiten in Victoria, wohin Lucia vermutlich nach ihrer Befreiung aus Lydius zurückgekehrt war. In der kommenden Hand würde Lovis die Abwesenheit von Sigurd, der etwas bei seinem Onkel zu regeln hatte, nutzen und ihre Angelegenheiten in Ordnung bringen. Das war jedenfalls der Plan.

***

Ein Sommer in Bildern mit kurzen Kommentaren:

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Lovis steuert das Floß, mit dem die Gefährtin abgeholt werden soll

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Zumindest kommt sie bis zur Fischerhütte, wo Sjard dann übernimmt

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Yoric wartet schon auf Jale

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Auf den Runenberg

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Gäste aus dem Süden

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Platzweihe

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Jale übergibt Yoric das Schwert, das fortan die Familie schützen soll. Yoric übergibt Jale ein Schwer zur Aufbewahrung für ihren erstgeborenen Sohn.

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Übergabe der Ringe

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Nachdem kein Ring zu Boden gefallen ist, sind die Gefährten vereint in einem Kuss.

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Feierlichkeiten in der Halle

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Die Natur sendet unterdessen merkwürdige Zeichen

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Zwei tote Wale werden angeschwemmt

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und von den Helvegenern verbrannt.

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Das Orakel sieht großes Unheil und fordert Yoric auf, es in die Wälder zu bringen.

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Alles Unheil scheint von dem Waldstück auszugehen, wo die alte Halle abbrannte. Auch die Tiere des Waldes zeigen Zeichen von Wahnsinn.

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Die Kurii präsentieren ihre Forderungen.

 

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Die Männer und die Schildmaid dringen weiter in die Höhle vor, von der das Unheil ausgeht.

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Die eingeschlossenen Sleens in der Höhle sind nicht nur ungewöhnlich groß, sondern auch angriffslustig und sehr hungrig.

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Und dort findet sich eines dieser Kästchen und gibt Geräusche von sich.

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Sigurd und Lovis bei den Arquanas um letzte Absprachen vor dem Kur-Angriff zu machen

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Die En der Waldweiber mit einem Sklaven

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Sogar Becher haben die…

 

 

 

Mittsommerfrieden und Vergangenes

Es war kein Fehler gewesen, das Gespräch mit den anderen Jarls zu suchen. Geirolfur aus Skjoldur hatte sich ebenso wie der neue Jarl von Fehu Isa als guter Zuhörer gezeigt und so konnte einiges Licht in das Dunkel von Gerüchten und übler Nachrede gebracht werden. Letzte Unstimmigkeiten konnten auf dem Thing geklärt werden, wenngleich es den einen oder anderen gab, der sich nach wie vor benachteiligt und unverstanden fühlte. Zumindest unter den Jarls schien wieder eine Art Einigkeit zu bestehen und doch ging das Vertrauen ineinander nicht so weit, dass man sich auf eine Highjarl hätte einigen können. Auch unter den Angehörigen einiger Clans saßen die entstandenen persönlichen Feindschaften tiefer als unter Umständen vermutet. So fiel es auch Lovis schwer, der Einladung zum Mittsommerfest in Fensalir Folge zu leisten.

Sie reiste schließlich aus Dankbarkeit Sigurd gegenüber mit, denn zwischen Thing und Mittsommer hatten sich die Schatten der Vergangenheit erhoben und forderten ihre ungeteilte Aufmerksamkeit:

Zwei Männer – nun eigentlich ein Mann und ein junger Kerl – waren mit einer Sklavin in die Helvegener Halle gekommen und suchten nach einer gewissen Cecilia aus Lydius.  Ein Bildnis hatten sie mitgebracht, das die blonde junge Frau im Haus ihres Vaters zeigte, unverschleiert. Es war Brunhilda, die das Bild als erste zu Gesicht bekam, jedoch schwieg. So wie Lovis schwieg, obwohl ihr zumute war als würde mit einem Mal die Halle über ihr zusammenbrechen, weil das Schweigen sie und ihr neues Leben im Norden nicht länger tragen wollte.

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Es war Lucia, die die Männer geschickt hatte, ihre Halbschwester. Und sie hatte den Aufwand nicht umsonst getrieben und schien sich an jeden Strohhalm Hoffnung klammern zu wollen: Das Haus ihres Vaters war in Gefahr und mit ihr Lucia selbst, die nach Cecilias Verschwinden den Landsitz des Hauses Crispus verlassen und ihrem Vater zur Hilfe eilen musste. Zu allem Überfluss sollte sie nun angeklagt werden wegen Spionage durch den Prätor von Lydius und es war ihr verboten worden die Stadt zu verlassen. Damit lag der Handel praktisch brach. Und über all den Sorgen um das Handelshaus schwebte die Angst vor einem Kragen um Lucias Hals.

Es war nicht so, dass Lovis ihrer Halbschwester besonders innig verbunden war, im Gegenteil – sie hatte sie als rechthaberisches und eitles Wesen kennen gelernt, das Cecilia so ziemlich jede Aufmerksamkeit neidete und Cecilia war froh gewesen, als Lucia Gaius Crispus gefährtet und mit ihm in Victoria ein Sklavenhaus geführt hatte.

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Und dennoch gab sich Lovis nun zu erkennen. Denn Lucia wäre niemals ohne Grund in das vom Krieg und nordischer Ausbeutung gepeinigte Lydius zurückgekehrt, hätte ihr Vater sie nicht befohlen. Und er hatte dies nur getan, weil er den Verlust seiner jüngsten Tochter nicht verkraftet hatte. Cecilias Verschwinden hatte Iulius Crispus das Herz gebrochen und er versank in Trauer und Paga. Zumindest lautete so seine Version der Dinge. Lovis wusste es besser. Er war vor allem im Selbstmitleid darüber ertrunken, dass die Verbindung mit dem reichen Händler aus Helmutsport gescheitert war, der Cecilia sich mit ihrer Flucht erfolgreich entzogen hatte.

Warum nun Dankbarkeit Sigurd gegenüber? Sigurd hatte sich bereit erklärt ihre Schwester Lucia aus dem lydianischen Joch zu befreien bevor man sie anklagen und ihre einen Kragen um den Hals legen konnte.  Während der Clan nach Fensalir zur Mittsommerfeier reiste, brach Jale nach Lydius auf um sie Lage auszukundschaften.

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Erkenntnisse

Allen Hoffnungen zum Trotz machte das verbliebene Nordheer keinen erkennbaren Versuch Männer und Schildmaiden aus Helvegen zu befreien, die, wie Lovis dank mehrerer Späher mittlerweile wusste, in Enkara gefangen saßen. Mehr als das, ließ sich weder Aegir blicken noch schickte er eine Botschaft, gleichwohl es sein Dorf gewesen war, das Helvegens Kräfte zu verteidigen versucht hatten.

Ein Gefangenenaustausch scheiterte, denn es war nicht Helvegen, die den Kommandanten von Belnend festgesetzt hatten und so dämmerte auch dem Süden, dass der Norden alles andere als geschlossen stand und dass sämtliche Forderungen “des Nordens” wohl eher die Forderungen einiger weniger Kriegstreiber waren. Diese Erkenntnis führte dazu, dass sich Helvegens Leute aus eigener Kraft freihandeln und heimkehren konnten.

Auch Sigurd, Jarl von Helvegen, kehrte heim und fand seinen in seiner Abwesenheit geborenen Sohn in den Armen von Lovis vor, die ihn inmitten von chaotischen Vorbereitungen auf einen möglichen Krieg auf Helvegener Boden zur Welt gebracht hatte. Der kleine Storm würde nach Yngvars Weissagungen ein großer Eroberer werden, aber voerst, stellte Lovis nüchtern fest, war er vor allem ein Säugling mit großem Hunger und einer kräftigen Stimme.

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Storm Sigurdsson wird geboren
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Sigurd nimmt seinen Sohn als den seinen an

Was Helvegen blieb, war eine ungeheure Wut und die Erkenntnis, dass kein Verlass auf das Zusammenstehen des Nordens war. Man besann sich auf die alten Bündnisse, die lange vor diese unseligen Zeit geknüpft worden waren. Axe. Fehu Isa. Fensalirs Treue maß man keine Bedeutung mehr zu, denn sie hatte sich als Trugbild erwiesen. Zu anderen Clans galt es Verbindungen zu knüpfen und deren Einschätzung der Lage zu erfahren. Es war Zeit den gestreuten Gerüchten mit offenen Worten entgegen zu treten. Sigurd ließ die Behelfspalisade wieder abreißen und würde sich jeder Gefahr und jeder Bedrohung seines Clans stellen und außerdem liebte er den freien Blick auf den Fjord und nicht eingepfercht sein hinter Zäunen wie Vieh.

Man entsandte einen erst kürzlich nach Helvegen gekommenen Krieger nach Skjoldur um Geirolfur zu einem Gespräch zu bitten. So konnte man Auge in Auge voreinandertreten und die böse Saat gestreuter Gerüchte gemeinsam prüfen. Nachdem dies vollbracht war, wollte man gemeinsam nach Fehu Isa reisen. Denn der Clan von Fehu Isa war der nächste, der als Verräter verdächtig gemacht worden war.

Kein Dorf ist mehr sicher

Die Zeit kam Lovis wie eine Ewigkeit vor. Selbst das Kind in ihrem Leib schien vor Schreck erstarrt zu sein und regte sich nur noch wenig, vielleicht auch, weil der Platz nun weniger wurde, denn es konnte jeden Tag soweit sein.

Alle zwei Ahn stieg Lovis den halben Weg zum Runenberg hinauf und blickte von dort aus über den Strangfyorthe. Und so sah sie auch als erste das kleine Fischerboot, dass sich Helvegen näherte, obwohl fast alle Kerle mit Sigurd zur Verteidigung Fensalirs ausgerückt waren. So eilte sie sich den Berg sicher wieder hinunterzugelangen und zu sehen, wer da anlegte.

Es war Sjard, der blutend und am Ende seiner Kräfte auf dem Steg zusammenbrach. Alle im Dorf verbliebenen Weiber kamen angerannt und Yngvar warf sich den stammelnden Fischer über die Schulter um ihn bis zur Heilstube zu tragen.

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“Kein Dorf ist mehr sicher…! Ich soll ausrichten, kein Dorf ist mehr sicher….! Alle sind gefangen…wir standen allein….gegen den Süden…” brachte er noch hervor bevor er das Bewusstsein verlor.

Lovis stand wie gelähmt auf dem von Wind und Thassawasser gebleichten Balken und wusste nicht mehr, was als nächstes zu tun war. Sigurd war gefangen, nicht nur Sigurd, offenbar auch alle Männer außer Sjard, den man verschont hatte, damit er eine Botschaft überbringen konnte.

Nach einer Weile kam Yngvar zurück und musterte sie. “Du musst den Clan nun führen, Lovis. Denk dran, was ich dir über dein Kind gesagt habe. Du bist stark und du wirst nicht weichen.” Lovis ging ein paar Schritte mit ihm und musste sich dann an einem Zaun abstützen, als sie erneut ein Ziehen im Rücken spürte. Yngvar hatte eine seltsame Ausstrahlung. Etwas Unheimliches ging von ihm aus, etwas, das viele instinktiv als einen Art innewohnenden Wahnsinn wahrnahmen und dem Runenkundigen deshalb aus dem Weg gingen. Aber für Lovis ging von ihm auch Stärke und Zuversicht aus, ein Glaube an die eigene Stärke, die die Götter immer lieben würden.  “Was soll ich tun, Yngvar? Kein Dorf ist mehr sicher, sie werden kommen und wir sind nur noch wenige Männer, viele Weiber, Kinder und Alte.”

“Bereiten wir ihnen  Muspellr auf unserem Boden. Ein Feuer, das sie alle vernichten wird. Lass die Frauen Strohpuppen bauen, so dass wir aus der Ferne stärker wirken.”

Lovis richtete sich auf und blickte den Weg hinauf, der geradewegs vom Anleger bis hoch in die Langhalle führte. Dann nickte sie langsam und gab ihre Weisungen heraus an die verbliebenen Clanmitglieder. Sie hatte Sigurd vesprochen Helvegen zu schützen und das würde sie tun und wenn es das letzte war, was sie tat und sie sich alle in Valhalla wieder begegnen würden.

So ergingen folgende Weisungen an die in Helvegen Verbliebenden:

1. Die Thralls reißen leerstehende Hütten ab um aus dem Holz eine Palisade zu bauen, die den Zugang über den Fjord in die Siedlung verwehrt.
2. Alle Weiber basteln Strohpuppen um sie auf der Palisade zu plazieren zu Abschreckungszwecken aus der Ferne.
3. Yngvar bereitet Feuerfallen vor.
4. Alle verbliebenden Männer, alle waffenfähigen Weiber, Alten und Knaben älter als 10 Sommer verteidigen Helvegen. Weiber tragen Hosen und Helme oder binden sich das Haar zusammen damit sie nicht von weitem schon als wehrlose Weiber zu erkennen sind.

Danach entzündete Lovis das Signalfeuer für den Jarl von Axe, mit dem immer noch ein Verteidigungsbündnis bestand. Lovis überließ die Entscheidung den Weibern, ob sie ihre Kinder nach Axe in Sicherheit schaffen wollten oder ob sie diese bei Alarm in die Höhlen bringen würden. Der Vorschlag jedoch Helvegen ungeschützt zu lassen und zu fliehen, lehnte Lovis ab. Mehrfach.

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Sie war Lovis, Weib des Sigurd, erste Frau von Helvegen. Niemand würde sie zwingen sich wie eine Assel unter einem Stein zu verstecken. In der Nacht stand sie draußen im Licht der drei Monde und überwachte die Errichtung der Behelfspalisaden um nicht daran denken zu müssen, wo Sigurd in diesem Augenblick sein mochte.

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Düstere Ahnungen

Noch eine zweite Gefährtenschaft wurde geschlossen und ausgelassen gefeiert, so dass man fast glauben konnte, dass Helvegen die dunklen Zeichen erfolgreich verdrängen konnte, die Tag für Tag eintrafen.

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Das freundschaftliche Verhältnis zu Fensalir war einem düsteren Misstrauen gewichen, seitdem Helvegen eigene Späher nach Belnend entsandt und dort erfahren hatte, dass der geplante Angriff auf Belnend offenbar auf einer Lüge beruhte. Seither gab es Stimmen im Norden, die Helvegen zu Verrätern machen wollten und es schien, dass Aegir sich dem vielen Flüstern aus den nördlichen Wäldern nicht zu entziehen vermochte. Helvegens Krieger wurden in Fensalirs Halle mit Misstrauen empfangen und so setzte sich die unheilvolle Kette von Ereignissen fort, die den Norden in den Abgrund zu reißen drohte.

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(am Bett des kranken Jarls)

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(düstere Ahnungen)

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(Streit um den Thron des Thane)

Sigurd, Jarl von Helvegen, hatte mit einem Fieber zu kämpfen, das er sich aus den Sümpfen von Chrysos mitgebracht hatte und zwei lange Hand lang rang Lovis mit der Angst um den kranken Gefährten, mit den Geschicken des Clans und den düsteren Neuigkeiten, die von ringsum nach Helvegen drangen. Der Angriff auf Belnend sollte nicht ungesühnt bleiben, wenn es nach dem Süden ging und so ging der Kommandant von Belnend Bündnisse mit den schlagkräftigsten südlichen Städten ein um Rache am Norden zu nehmen. Kaum war Sigurd wieder auf den Beinen, traf auch schon ein geheimnisvoller Bote ein, der von einem bevorstehenden Angriff der versammelten südlichen Streitkräfte auf Fensalir warnte.

Sigurd rang um eine Entscheidung: Sollte man Fensalir warnen und beistehen, wenngleich es mit seinem Kriegstreiben diesen Sturm selbst entfesselt hatte und obendrein noch Helvegens Männer wie Verräter behandelt hatte? Oder sollte man schweigen und seinen eigenen Vorteil suchen und in der Zeit die eigene Verteidigung stärken? Schließlich war er des Taktierens müde und besann sich auf das, was einen Torvaldsländer ausmacht. Das waren nicht List und Tücke, sondern kämpfen und zusammenstehen, wenn der Norden in Gefahr war und so sprang er über seinen Schatten und er entschied sich Fensalir beizustehen.

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(Sigurd fasst eine Entscheidung)

Kein Weinen und Flehen von Lovis und auch nicht die finsteren Gesichter seiner Männer konnten ihn davon abbringen, denn er hielt dies für die einzig ehrenvolle Entscheidung. Und so zogen sie von dannen. Unterdessen war eine Flut rotberockter Krieger, die ihresgleichen suchten in Ausbildung, Disziplin und Gehorsam, auf dem Weg die Norddörfer zu erschüttern.

Lovis stand lange am Fjord und sah zu, wie das Schiff sich entfernte und noch nie war ihr so bang und schwer ums Herz geworden wie dieses Mal. Klein wie Insekten zeichneten sich die Umrisse der Männer vor dem Horizont ab, der von gewaltigen Wolken verdunkelt wurde, bis die Dunkelheit schließlich alles in sich verschlang. Auch Rebekka neben ihr kämpfte mit den Tränen, denn auch sie ließ jemanden ziehen, der einen festen Platz in ihrem Herzen hatte: Sjard, den sie gerade erst zum Gefährten genommen hatte.

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Krieg und Liebe

Es war kaum Zeit vergangen, als ein Jarl aus den Nördlichen Wäldern in Helvegen davon berichtete, dass Belnend einen Krieg gegen den Norden vorbereitete. Als sei das nicht schon berunruhigend genug, ließ er sie auch noch wissen, dass Helvegen als erstes überrannt werden sollte. Auch die Lösung hatte er schon bei der Hand, nämlich Belnend anzugreifen, bevor der Kommandant mit seinen Kriegern ausrücken konnte.

Da Sigurd nicht zugegen war, erbat man sich Bedenkzeit. Noch am gleichen Tag sandte man Späher nach Belnend um herauszufinden, ob das Vorgebrachte der Wahrheit entsprach. Wie es schon auf Chrysos der Fall gewesen war, waren die Späher gerade ausgerückt, als man schon zum Angriff auf Belnend blies und da außerdem eine Gefährtenschaft geschlossen werden sollte, die von langer Hand vorbereitet worden war, zog Helvegen nicht mit in diese eilige Schlacht.

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Späher werden ausgesandt

Sigurds Skepsis bezog sich vor allem auf die Verluste, die der Kommandant von Belnend in der Schlacht um Chrysos erlitten haben musste und selbst eine mittelgroße, zentralgoreanische Stadt wie Belnend konnte nicht die Mittel für gleich mehrere Krieger hintereinander aus dem Ärmel schütteln. Belnend würde eine Weile brauchen sich erneut zu rüsten und nicht so dumm sein sich überstürzt in einen Krieg auf feindliches Gebiet mit dem gesamten Norden zu stürzen. Die Zeit würde zeigen, ob die Einschätzung Helvegens sich als richtig erweisen würde.

Zur Besiegelung der Gefährtenschaft vor den Göttern war Arcturus, der Runenpriester aus Uppsala angereist. Lange, sehr lange hatten Cortie und Saphira auf diesen Moment warten müssen, doch alles Ausharren wurden letztlich reich belohnt mit einem besonders schönen Ritual auf dem Runenberg und einer ausgelassenen Feier im Anschluss.

(Die Weiber von Helvegen beim rituellen Baden vor der zu schließenden Gefährtenschaft)

(Die Gefährtenschaft wird geschlossen vor den Göttern)

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Festschmaus in der Halle
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Ausgelassene Stimmung und Tanz einer Bond

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