Mittsommerfrieden und Vergangenes

Es war kein Fehler gewesen, das Gespräch mit den anderen Jarls zu suchen. Geirolfur aus Skjoldur hatte sich ebenso wie der neue Jarl von Fehu Isa als guter Zuhörer gezeigt und so konnte einiges Licht in das Dunkel von Gerüchten und übler Nachrede gebracht werden. Letzte Unstimmigkeiten konnten auf dem Thing geklärt werden, wenngleich es den einen oder anderen gab, der sich nach wie vor benachteiligt und unverstanden fühlte. Zumindest unter den Jarls schien wieder eine Art Einigkeit zu bestehen und doch ging das Vertrauen ineinander nicht so weit, dass man sich auf eine Highjarl hätte einigen können. Auch unter den Angehörigen einiger Clans saßen die entstandenen persönlichen Feindschaften tiefer als unter Umständen vermutet. So fiel es auch Lovis schwer, der Einladung zum Mittsommerfest in Fensalir Folge zu leisten.

Sie reiste schließlich aus Dankbarkeit Sigurd gegenüber mit, denn zwischen Thing und Mittsommer hatten sich die Schatten der Vergangenheit erhoben und forderten ihre ungeteilte Aufmerksamkeit:

Zwei Männer – nun eigentlich ein Mann und ein junger Kerl – waren mit einer Sklavin in die Helvegener Halle gekommen und suchten nach einer gewissen Cecilia aus Lydius.  Ein Bildnis hatten sie mitgebracht, das die blonde junge Frau im Haus ihres Vaters zeigte, unverschleiert. Es war Brunhilda, die das Bild als erste zu Gesicht bekam, jedoch schwieg. So wie Lovis schwieg, obwohl ihr zumute war als würde mit einem Mal die Halle über ihr zusammenbrechen, weil das Schweigen sie und ihr neues Leben im Norden nicht länger tragen wollte.

lydius_001

Es war Lucia, die die Männer geschickt hatte, ihre Halbschwester. Und sie hatte den Aufwand nicht umsonst getrieben und schien sich an jeden Strohhalm Hoffnung klammern zu wollen: Das Haus ihres Vaters war in Gefahr und mit ihr Lucia selbst, die nach Cecilias Verschwinden den Landsitz des Hauses Crispus verlassen und ihrem Vater zur Hilfe eilen musste. Zu allem Überfluss sollte sie nun angeklagt werden wegen Spionage durch den Prätor von Lydius und es war ihr verboten worden die Stadt zu verlassen. Damit lag der Handel praktisch brach. Und über all den Sorgen um das Handelshaus schwebte die Angst vor einem Kragen um Lucias Hals.

Es war nicht so, dass Lovis ihrer Halbschwester besonders innig verbunden war, im Gegenteil – sie hatte sie als rechthaberisches und eitles Wesen kennen gelernt, das Cecilia so ziemlich jede Aufmerksamkeit neidete und Cecilia war froh gewesen, als Lucia Gaius Crispus gefährtet und mit ihm in Victoria ein Sklavenhaus geführt hatte.

lydius_002

Und dennoch gab sich Lovis nun zu erkennen. Denn Lucia wäre niemals ohne Grund in das vom Krieg und nordischer Ausbeutung gepeinigte Lydius zurückgekehrt, hätte ihr Vater sie nicht befohlen. Und er hatte dies nur getan, weil er den Verlust seiner jüngsten Tochter nicht verkraftet hatte. Cecilias Verschwinden hatte Iulius Crispus das Herz gebrochen und er versank in Trauer und Paga. Zumindest lautete so seine Version der Dinge. Lovis wusste es besser. Er war vor allem im Selbstmitleid darüber ertrunken, dass die Verbindung mit dem reichen Händler aus Helmutsport gescheitert war, der Cecilia sich mit ihrer Flucht erfolgreich entzogen hatte.

Warum nun Dankbarkeit Sigurd gegenüber? Sigurd hatte sich bereit erklärt ihre Schwester Lucia aus dem lydianischen Joch zu befreien bevor man sie anklagen und ihre einen Kragen um den Hals legen konnte.  Während der Clan nach Fensalir zur Mittsommerfeier reiste, brach Jale nach Lydius auf um sie Lage auszukundschaften.

midsomar_001

 

 

 

 

 

Erkenntnisse

Allen Hoffnungen zum Trotz machte das verbliebene Nordheer keinen erkennbaren Versuch Männer und Schildmaiden aus Helvegen zu befreien, die, wie Lovis dank mehrerer Späher mittlerweile wusste, in Enkara gefangen saßen. Mehr als das, ließ sich weder Aegir blicken noch schickte er eine Botschaft, gleichwohl es sein Dorf gewesen war, das Helvegens Kräfte zu verteidigen versucht hatten.

Ein Gefangenenaustausch scheiterte, denn es war nicht Helvegen, die den Kommandanten von Belnend festgesetzt hatten und so dämmerte auch dem Süden, dass der Norden alles andere als geschlossen stand und dass sämtliche Forderungen “des Nordens” wohl eher die Forderungen einiger weniger Kriegstreiber waren. Diese Erkenntnis führte dazu, dass sich Helvegens Leute aus eigener Kraft freihandeln und heimkehren konnten.

Auch Sigurd, Jarl von Helvegen, kehrte heim und fand seinen in seiner Abwesenheit geborenen Sohn in den Armen von Lovis vor, die ihn inmitten von chaotischen Vorbereitungen auf einen möglichen Krieg auf Helvegener Boden zur Welt gebracht hatte. Der kleine Storm würde nach Yngvars Weissagungen ein großer Eroberer werden, aber voerst, stellte Lovis nüchtern fest, war er vor allem ein Säugling mit großem Hunger und einer kräftigen Stimme.

Snapshot_009
Storm Sigurdsson wird geboren
Snapshot_011
Sigurd nimmt seinen Sohn als den seinen an

Was Helvegen blieb, war eine ungeheure Wut und die Erkenntnis, dass kein Verlass auf das Zusammenstehen des Nordens war. Man besann sich auf die alten Bündnisse, die lange vor diese unseligen Zeit geknüpft worden waren. Axe. Fehu Isa. Fensalirs Treue maß man keine Bedeutung mehr zu, denn sie hatte sich als Trugbild erwiesen. Zu anderen Clans galt es Verbindungen zu knüpfen und deren Einschätzung der Lage zu erfahren. Es war Zeit den gestreuten Gerüchten mit offenen Worten entgegen zu treten. Sigurd ließ die Behelfspalisade wieder abreißen und würde sich jeder Gefahr und jeder Bedrohung seines Clans stellen und außerdem liebte er den freien Blick auf den Fjord und nicht eingepfercht sein hinter Zäunen wie Vieh.

Man entsandte einen erst kürzlich nach Helvegen gekommenen Krieger nach Skjoldur um Geirolfur zu einem Gespräch zu bitten. So konnte man Auge in Auge voreinandertreten und die böse Saat gestreuter Gerüchte gemeinsam prüfen. Nachdem dies vollbracht war, wollte man gemeinsam nach Fehu Isa reisen. Denn der Clan von Fehu Isa war der nächste, der als Verräter verdächtig gemacht worden war.

Kein Dorf ist mehr sicher

Die Zeit kam Lovis wie eine Ewigkeit vor. Selbst das Kind in ihrem Leib schien vor Schreck erstarrt zu sein und regte sich nur noch wenig, vielleicht auch, weil der Platz nun weniger wurde, denn es konnte jeden Tag soweit sein.

Alle zwei Ahn stieg Lovis den halben Weg zum Runenberg hinauf und blickte von dort aus über den Strangfyorthe. Und so sah sie auch als erste das kleine Fischerboot, dass sich Helvegen näherte, obwohl fast alle Kerle mit Sigurd zur Verteidigung Fensalirs ausgerückt waren. So eilte sie sich den Berg sicher wieder hinunterzugelangen und zu sehen, wer da anlegte.

Es war Sjard, der blutend und am Ende seiner Kräfte auf dem Steg zusammenbrach. Alle im Dorf verbliebenen Weiber kamen angerannt und Yngvar warf sich den stammelnden Fischer über die Schulter um ihn bis zur Heilstube zu tragen.

Snapshot_026

“Kein Dorf ist mehr sicher…! Ich soll ausrichten, kein Dorf ist mehr sicher….! Alle sind gefangen…wir standen allein….gegen den Süden…” brachte er noch hervor bevor er das Bewusstsein verlor.

Lovis stand wie gelähmt auf dem von Wind und Thassawasser gebleichten Balken und wusste nicht mehr, was als nächstes zu tun war. Sigurd war gefangen, nicht nur Sigurd, offenbar auch alle Männer außer Sjard, den man verschont hatte, damit er eine Botschaft überbringen konnte.

Nach einer Weile kam Yngvar zurück und musterte sie. “Du musst den Clan nun führen, Lovis. Denk dran, was ich dir über dein Kind gesagt habe. Du bist stark und du wirst nicht weichen.” Lovis ging ein paar Schritte mit ihm und musste sich dann an einem Zaun abstützen, als sie erneut ein Ziehen im Rücken spürte. Yngvar hatte eine seltsame Ausstrahlung. Etwas Unheimliches ging von ihm aus, etwas, das viele instinktiv als einen Art innewohnenden Wahnsinn wahrnahmen und dem Runenkundigen deshalb aus dem Weg gingen. Aber für Lovis ging von ihm auch Stärke und Zuversicht aus, ein Glaube an die eigene Stärke, die die Götter immer lieben würden.  “Was soll ich tun, Yngvar? Kein Dorf ist mehr sicher, sie werden kommen und wir sind nur noch wenige Männer, viele Weiber, Kinder und Alte.”

“Bereiten wir ihnen  Muspellr auf unserem Boden. Ein Feuer, das sie alle vernichten wird. Lass die Frauen Strohpuppen bauen, so dass wir aus der Ferne stärker wirken.”

Lovis richtete sich auf und blickte den Weg hinauf, der geradewegs vom Anleger bis hoch in die Langhalle führte. Dann nickte sie langsam und gab ihre Weisungen heraus an die verbliebenen Clanmitglieder. Sie hatte Sigurd vesprochen Helvegen zu schützen und das würde sie tun und wenn es das letzte war, was sie tat und sie sich alle in Valhalla wieder begegnen würden.

So ergingen folgende Weisungen an die in Helvegen Verbliebenden:

1. Die Thralls reißen leerstehende Hütten ab um aus dem Holz eine Palisade zu bauen, die den Zugang über den Fjord in die Siedlung verwehrt.
2. Alle Weiber basteln Strohpuppen um sie auf der Palisade zu plazieren zu Abschreckungszwecken aus der Ferne.
3. Yngvar bereitet Feuerfallen vor.
4. Alle verbliebenden Männer, alle waffenfähigen Weiber, Alten und Knaben älter als 10 Sommer verteidigen Helvegen. Weiber tragen Hosen und Helme oder binden sich das Haar zusammen damit sie nicht von weitem schon als wehrlose Weiber zu erkennen sind.

Danach entzündete Lovis das Signalfeuer für den Jarl von Axe, mit dem immer noch ein Verteidigungsbündnis bestand. Lovis überließ die Entscheidung den Weibern, ob sie ihre Kinder nach Axe in Sicherheit schaffen wollten oder ob sie diese bei Alarm in die Höhlen bringen würden. Der Vorschlag jedoch Helvegen ungeschützt zu lassen und zu fliehen, lehnte Lovis ab. Mehrfach.

Snapshot_007

Sie war Lovis, Weib des Sigurd, erste Frau von Helvegen. Niemand würde sie zwingen sich wie eine Assel unter einem Stein zu verstecken. In der Nacht stand sie draußen im Licht der drei Monde und überwachte die Errichtung der Behelfspalisaden um nicht daran denken zu müssen, wo Sigurd in diesem Augenblick sein mochte.

Merken

Düstere Ahnungen

Noch eine zweite Gefährtenschaft wurde geschlossen und ausgelassen gefeiert, so dass man fast glauben konnte, dass Helvegen die dunklen Zeichen erfolgreich verdrängen konnte, die Tag für Tag eintrafen.

FC_001

Das freundschaftliche Verhältnis zu Fensalir war einem düsteren Misstrauen gewichen, seitdem Helvegen eigene Späher nach Belnend entsandt und dort erfahren hatte, dass der geplante Angriff auf Belnend offenbar auf einer Lüge beruhte. Seither gab es Stimmen im Norden, die Helvegen zu Verrätern machen wollten und es schien, dass Aegir sich dem vielen Flüstern aus den nördlichen Wäldern nicht zu entziehen vermochte. Helvegens Krieger wurden in Fensalirs Halle mit Misstrauen empfangen und so setzte sich die unheilvolle Kette von Ereignissen fort, die den Norden in den Abgrund zu reißen drohte.

Snapshot_007

(am Bett des kranken Jarls)

Snapshot_022

(düstere Ahnungen)

thronstreit_001

(Streit um den Thron des Thane)

Sigurd, Jarl von Helvegen, hatte mit einem Fieber zu kämpfen, das er sich aus den Sümpfen von Chrysos mitgebracht hatte und zwei lange Hand lang rang Lovis mit der Angst um den kranken Gefährten, mit den Geschicken des Clans und den düsteren Neuigkeiten, die von ringsum nach Helvegen drangen. Der Angriff auf Belnend sollte nicht ungesühnt bleiben, wenn es nach dem Süden ging und so ging der Kommandant von Belnend Bündnisse mit den schlagkräftigsten südlichen Städten ein um Rache am Norden zu nehmen. Kaum war Sigurd wieder auf den Beinen, traf auch schon ein geheimnisvoller Bote ein, der von einem bevorstehenden Angriff der versammelten südlichen Streitkräfte auf Fensalir warnte.

Sigurd rang um eine Entscheidung: Sollte man Fensalir warnen und beistehen, wenngleich es mit seinem Kriegstreiben diesen Sturm selbst entfesselt hatte und obendrein noch Helvegens Männer wie Verräter behandelt hatte? Oder sollte man schweigen und seinen eigenen Vorteil suchen und in der Zeit die eigene Verteidigung stärken? Schließlich war er des Taktierens müde und besann sich auf das, was einen Torvaldsländer ausmacht. Das waren nicht List und Tücke, sondern kämpfen und zusammenstehen, wenn der Norden in Gefahr war und so sprang er über seinen Schatten und er entschied sich Fensalir beizustehen.

Snapshot_023

(Sigurd fasst eine Entscheidung)

Kein Weinen und Flehen von Lovis und auch nicht die finsteren Gesichter seiner Männer konnten ihn davon abbringen, denn er hielt dies für die einzig ehrenvolle Entscheidung. Und so zogen sie von dannen. Unterdessen war eine Flut rotberockter Krieger, die ihresgleichen suchten in Ausbildung, Disziplin und Gehorsam, auf dem Weg die Norddörfer zu erschüttern.

Lovis stand lange am Fjord und sah zu, wie das Schiff sich entfernte und noch nie war ihr so bang und schwer ums Herz geworden wie dieses Mal. Klein wie Insekten zeichneten sich die Umrisse der Männer vor dem Horizont ab, der von gewaltigen Wolken verdunkelt wurde, bis die Dunkelheit schließlich alles in sich verschlang. Auch Rebekka neben ihr kämpfte mit den Tränen, denn auch sie ließ jemanden ziehen, der einen festen Platz in ihrem Herzen hatte: Sjard, den sie gerade erst zum Gefährten genommen hatte.

Snapshot_013

Krieg und Liebe

Es war kaum Zeit vergangen, als ein Jarl aus den Nördlichen Wäldern in Helvegen davon berichtete, dass Belnend einen Krieg gegen den Norden vorbereitete. Als sei das nicht schon berunruhigend genug, ließ er sie auch noch wissen, dass Helvegen als erstes überrannt werden sollte. Auch die Lösung hatte er schon bei der Hand, nämlich Belnend anzugreifen, bevor der Kommandant mit seinen Kriegern ausrücken konnte.

Da Sigurd nicht zugegen war, erbat man sich Bedenkzeit. Noch am gleichen Tag sandte man Späher nach Belnend um herauszufinden, ob das Vorgebrachte der Wahrheit entsprach. Wie es schon auf Chrysos der Fall gewesen war, waren die Späher gerade ausgerückt, als man schon zum Angriff auf Belnend blies und da außerdem eine Gefährtenschaft geschlossen werden sollte, die von langer Hand vorbereitet worden war, zog Helvegen nicht mit in diese eilige Schlacht.

neuigkeiten_001
Späher werden ausgesandt

Sigurds Skepsis bezog sich vor allem auf die Verluste, die der Kommandant von Belnend in der Schlacht um Chrysos erlitten haben musste und selbst eine mittelgroße, zentralgoreanische Stadt wie Belnend konnte nicht die Mittel für gleich mehrere Krieger hintereinander aus dem Ärmel schütteln. Belnend würde eine Weile brauchen sich erneut zu rüsten und nicht so dumm sein sich überstürzt in einen Krieg auf feindliches Gebiet mit dem gesamten Norden zu stürzen. Die Zeit würde zeigen, ob die Einschätzung Helvegens sich als richtig erweisen würde.

Zur Besiegelung der Gefährtenschaft vor den Göttern war Arcturus, der Runenpriester aus Uppsala angereist. Lange, sehr lange hatten Cortie und Saphira auf diesen Moment warten müssen, doch alles Ausharren wurden letztlich reich belohnt mit einem besonders schönen Ritual auf dem Runenberg und einer ausgelassenen Feier im Anschluss.

(Die Weiber von Helvegen beim rituellen Baden vor der zu schließenden Gefährtenschaft)

(Die Gefährtenschaft wird geschlossen vor den Göttern)

FC_023
Festschmaus in der Halle
FC_030
Ausgelassene Stimmung und Tanz einer Bond

Merken

Rückkehr in die Heimat

Das Metopfer vor der Abreise von Chrysos zahlte sich aus. Auf der Heimreise verschonte der Donnergott Thor die Schiffe Helvegens und ein zweites Unwetter blieb aus, so dass die Krieger samt Beute dank günstiger Winde rasch die nördliche Thassa überquerten und schließlich durch den Strangfyorthe hindurch zurück nach Helvegen gelangten.

zuhause_001
Die Schiffe legen an
zuhause_002
Willkommen zurück

Ohne Zwischenstopp in Lydius, auf den das zeternde Südweib gehofft hatte, dass sie zu der im Sumpf verborgenen Kiste mit Gold geführt hatte, legte man in der Heimat an, wo sich bereits die Lieben und Schaulustigen versammelt hatten um die Heimkehrer in ihre Arme zu schließen.

Der Bauch von Lovis war jetzt leicht gerundet und es ließ sich nicht mehr verbergen, das sie wieder ein Kind erwartete. Die Siedlung lag friedlich im Schein des Zentralfeuers da, auf den Äckern gedieh die Saat und war zu jungen Pflanzen herangewachsen und in den Ställen gab es Nachwuchs. Es schien als hätte der Runenpriester Acturus im Tempel zu Uppsala die Runen richtig gedeutet. Fruchtbarkeit und Wohlstand blühte in der Siedlung. Nur wenige Tage später brachte Taara, die Heilkundige,  gesunde Zwillinge zur Welt, die sie hoffentlich über den Verlust ihres jüngsten Sohnes hinwegzutrösten vermochten.

zuhause_003
Beutegold aus Chrysos
zuhause_004
Die Behaglichkeit der heimatlichen Halle
zuhause_006
Der Clan wieder vereint
zwillinge_001
Erneuter Zwillingssegen in Helvegen

Die Chrysos Beute konnte sich sehen lassen und sorgte für ausgelassene Stimmung in der Halle. Eine der reich gefüllten Truhen ließ der Jarl unter allen Clanmitgliedern aufteilen. Ein Teil wurde zurück behalten um die aus allen Nähten platzende Siedlung zu vergrößern und eine neue Halle zu bauen. Das war der Plan. Ein anderer Teil wurde zurückbehalten um den Göttern ihren Anteil zu opfern.

Der Kommandant von Belnend kam um seine Waffen zum vereinbarten Preis zurückzukaufen, die er Niara als Pfand für die Sklavin Ewa überlassen hatte.

zwillinge_002
Belnend und Helvegen stehen einander erneut gegenüber

Der Handel misslang, als Byron, Niaras Gefährte,  statt der 4 Silber nun 4 Gold haben wollte und nur haarscharf konnte Sigurd einen Krieg in der Siedlung und Schaden von Helvegen abwenden. Byron, der sich erneut von niemandem ernst genommen fühlte, floh daraufhin in die Wälder. Es wussten wohl nur die Nornen selbst ob er nach seiner Kopfverletzung jemals wieder in der Lage sein würde den Clan von Fjellandsby zu führen. Belnend zog aufgebracht und unverrichteter Dinge wieder ab und der ohnehin schon kochende Hass auf Grund der Niederlage des Südens auf Chrysos erreichte einen neuen Siedepunkt. Niara blieb in Tränen aufgelöst zurück und nahm auch Byrons Anteil vom Beutegold entgegen.

beute_001
Aufteilung der Beute

Im Anschluss reiste man zum Tempel nach Uppsala um den Göttern ihren Anteil zu bringen. Arcturus hatte sich schon auf die Ankunft der Siegreichen vorbereitet und zum Ausklang des Abends tanzten zwei Sklavinnen im Licht der drei Monde und Mira, die Bond des Runenpriesters, sang ein Lied vom von Sieg und Ruhme Helvegens.

beute_004
Opfer für Thor
beute_007
Tanz der Sklavinnen

beute_008

beute_010
Arcturus und Mira

Schlacht um Chrysos

Nachdem Teile des Nordheers es zwar geschafft hatten in die Siedlung einzudringen, aber sie dann wieder verlassen hatten wegen eines nahenden Schiffes aus Kassau, das sie in einen Hinterhalt zu zwingen drohte, war die Stimmung spürbar gesunken. Dass sich das angekündigte Schiff aus Kassau auch noch als List des Kommandanten von Belnend herausstellte, tat sein übriges dazu, dass die Clans untereinander immer mehr in Streit gerieten. Die Jarls waren nun vorerst damit befasst ihre Männer wieder unter Kontrolle zu bringen, was mehr oder weniger gut gelang. Zu allem Überfluss hatte der Süden nach dem Teilangriff alle Minensklaven abgeschlachtet. Sklaven, die einst stolze Torvaldsländer gewesen waren. Ihre toten Leiber wurden am Weg zur Siedlung entlang angepflockt und zogen schon bald Fliegen und Krähen an.

chrysos_end_001

chrysos_end_004

Zwar gelang es dem zornigen Norden am nächsten Tag ein Versorgungsschiff der Siedlung abzufangen und anzuzünden, jedoch blieb ihnen das Gold in den Minen immer noch verschlossen. Schließlich sammelte Sigurd, Jarl von Helvegen, seine Männer und Schildmaiden um sich und mahnte sie zur Besonnenheit und zur Schwurtreue für ihren Clan. Wenn immer wieder einzelne Clans die Siedlung einzunehmen versuchten, würde es nicht gelingen. Es musste einen gut durchdachten, gemeinsamen Angriff geben um erfolgreich zu sein. Es war nicht schwer die anderen Jarls davon zu überzeugen, aber einigen Männern unter den Clans fehlten sowohl Weitsicht auch als Geduld für jegliches strategisches Denken und die Demütigung durch die getöteten Sklaven saß tief, denn man hatte versäumt diese rechtzeitig zu befreien und sich von einer List täuschen lassen.

Dennoch gelang das langsam unmöglich Geglaubte. Eine Gruppe bestehend aus den stärksten Kriegern aller Clans wurde mit der Aufgabe betraut sich den Weg zum Tor hoch zu erkämpfen, während eine zweite Gruppe sich von der anderen Seite nähern und so die Südler dazu bringen würde, sich aufzuteilen. Dieser Plan schien aufzugehen. Obwohl die Verteidigungsanlage der Siedlung verbessert worden war, stand die Vorhut nach nur einer halben Ahn vor dem Tor und begann damit es aufzubrechen, während die Nachhut die Hälfte der südlichen Krieger an anderer Stelle in Schach hielt. Ein zweites Mal ergoss sich der Strom tobender Torvaldsländer hinein in das Herz von Chrysos. Doch diesmal war es nicht nur die Gier nach Beute, die die Männer trieb, sondern auch der Durst nach Rache für die erlittene Demütigung.

chrysos_end_005

Nachdem man die Minen bis auf das letzte Gold ausgeraubt hatte, tötete man die Überlebenden und steckte dann die Siedlung in Brand. Ein halbes Jahr harter Arbeit der Siedler war vergebens gewesen. Die meisten Kämpfer für den Süden waren gefangen genommen worden oder ihr Blut tränkte den Boden der goldenen Insel.  Blutrot leuchteten auch die drei Monde in der Nacht über der Insel und der Thassa, als wüssten sogar die Naturgewalten von dem todbringenden Geschehen. In der Nacht löschte der Regen die brennenden Ruinen und am Morgen standen schwarze Rauschschwaden über dem, was einst Siedlung und Zuhause gewesen war.

Chrysos war gefallen.

Hals über Kopf

Eine getroffene Verabredung mit einer schlangenzüngigen Schriftgelehrten, die den Clans den Geheimgang in die Minen öffnen wollte,  geriet noch in derselben Nacht in Vergessenheit. Das Blut der Torvaldsländer ist so hitzig wie das Hrimgargebirge kalt ist und Geduld war keine Tugend, die dem Menschenschlag des Nordens in ausgeprägtem Maße zueigen war.

Vielleicht waren auch die unheimlichen Feuer in den Sümpfen Schuld gewesen, denn wie allgemein bekannt ist, ist der Norden abergläubisch und Furcht war noch nie ein guter Ratgeber.  Auch wenn sich herausgestellt hatte, dass Wilde für die Feuer verantwortlich war, so war es für einige doch beunruhigend, dass man nun nicht mehr nur gegen die Götter des Südens kämpfte, sondern auch noch gegen die des Waldes.

Snapshot_002

So machte sich am nächsten Abend eine Gruppe auf und versuchte die Siedlung mit einem Teil der zur Verfügung stehenden Berserker zu stürmen. Nicht alle Clans waren dabei und nicht jeder hielt es für eine gute Idee, aber dennoch: Was ein Torvaldsländer will, das kann man ihm nur schwerlich ausreden.

Bereits der schmale Weg hoch bis vor das Siedlungstor stellte für einen kriegerischen Überfall eine erste Hürde da. Nicht wenige stürzten von den Klippen aus in die Tiefe und ihre Leiber zerschellten auf den Felsen. Beschuss von oben und nahezu keine Deckung taten ihr übriges dazu.

Es gelang dem zahlenmäßig unterlegenen Süden lange Zeit die Stellung zu halten, aber dann tat sich eine neue Möglichkeit auf: Eine Schwachstelle in der Verteidigung der Siedlung ermöglichte den Berserkern einen Ansturm auf das hintere Tor und von zwei Seiten eingekesselt und angegriffen, machte sich nun die geringe Anzahl von Kriegern in der Siedlung bemerkbar. Sie mussten sich aufteilen, wenn sie verhindern wollten, dass eines der Tore fiel und das konnten sie nicht lange durchalten.

Trotz größer Gegenwehr des Südens fiel das Haupttor und die brüllenden Nordleute strömten durch die Öffnung wie tosendes Wasser durch einen gebrochenen Damm. Sie hinterließen eine Schneise der Verwüstung, bereit zu rauben, zu vergewaltigen und zu töten, was ihnen in die Hände fiel.

Doch dann wendete sich das Blatt. Von einem herannahenden Schiff aus Kassau war plötzlich die Rede und von einer Falle, die ihnen den Rückzug zu ihren Schlangenschiffen unmöglich machen würde. Im letzten Augenblick gelang es den anwesenden Anführer den Blutrausch ihrer Berserker zu zügeln und ihre Truppe zum sofortigen Abzug zu befehligen. Hals über Kopf verließ man die Siedlung mit nur wenig Beute und noch weniger Gefangenen.

Merken

Erste Beute und eine neue Festung

Ein im Alleingang einiger Männer aus Skjoldur genommene Gefangene des Südlagers wurde mit einer Forderung zu seinem Kommandanten zurückgeschickt. Das Südheer soll Chrysos umgehend verlassen oder in der Konsequenz würden alle getötet werden, die man in die Hände bekam.

Im Vergleich zum Süden mit seiner klaren Befehlskette erschien der Norden in all seinen Aktivitäten wenig geordnet und mehr spontan. Unter den Jarls musste jede Entscheidung gemeinsam getroffen werden und selbst wenn das geglückt war, taten einige Männer dennoch etwas anderes. Trotzdem war das Nordheer nach wie vor nicht zu unterschätzen, denn zuweilen lag im urwüchsigen Chaos eine starke Energie, die furchteinflößend sein konnte und auch den Feind mit Unvorhergesehenem zu überraschen vermochte.

Am zweiten Tag in Chrysos nahmen die Nordleute den Konvent der Wissenden ein um hernach über eine gut befestigte Anlage mit starken Mauern zu verfügen und einem weiten Blick über Strand und Wiesen, der jeden Angreifer lange im Voraus erfassen würde.

Im Konvent selbst hatten an jenem Tag nur die wirklichen Fanatiker der weißen Kaste die Stellung gehalten. Alle anderen hatten es vorgezogen bei Nacht und Nebel Schutz in der Siedlung zu suchen. Der Älteste von ihnen überzog die Torvalsländer mit seiner ganzen Verachtung, als sie ihn aufforderten das Tor freiwillig zu öffnen. Er soll sogar von der Mauer uriniert haben, natürlich auf die seiner Kaste zu eigene, sehr würdevoll herablassende Art.

tag2_009

Als das Tor aufgebrochen wurde und die Übermacht des Nordheeres in den Innenhof strömte, versuchte er in einem letzten heroischen Akt das Allerheiligste mit seinem Leib zu schützen, bekam dann aber einen Schild an den Schädel und verstarb an einer Hirnblutung, noch bevor man ihm den Schlüssel zum Konvent vom Gürtel reißen konnte.

tag2_010

tag2_011

Die kampferprobten Torvaldsländer stürmten in alle Räume, nahmen alles an sich, was ihnen wertvoll erschien, einschließlich der Opferschalen und Leuchter im Allerheiligsten und sogar die goldenen Ringe an den Mauern wurden aus ihren Befestigungen gerissen und fortgetragen, während das ihnen fremde Mobiliar zertrümmert und verbrannt wurde. Mühevolle verfasste Schriften und das Wissen von Jahrhunderten gingen innerhalb weniger Ehn in Rauch auf, nur einige wenige Männer hatten sich von den Schriftrollen ein paar in die Stiefel gesteckt.

Nein, die Priesterkönige zeigten sich nicht an jenem Tag. Vielleicht war ihnen Tod oder Leben einiger Wissender gleichgültig, vielleicht passte es sogar in ihre geheimen Pläne, aber niemand erlag dem blauen Flammentod und so ließ der einfache Sieg für alle Nordmänner nur eine Schlussfolgerung zu: Ihre Götter waren mächtiger als die des Südens und mit ihrem Wohlwollen hatten sie sich erste, reiche Beute geholt.

Kampf und Land in Sicht

Die Nordflotte überstand den Sturm und man half sich mit dem Nötigsten aus um die entstandenen Schäden zu beheben. Nur ein Mann war über Bord gegangen, konnte aber aus dem tobenden Fluten gerettet werden. Einige hatten Prellungen von der ins Rutschen geratenen Ladung. Und noch war ihre Reise nicht beendet.

Nach einigen Tagen dichten Nebels wurde jede Ahn zur Ewigkeit. Die Vorräte waren nach dem Sturm nahezu alle durchnässt und unbrauchbar und zu allem Überfluss ging langsam das Trinkwasser zur Neige. Die Navigation war im dichten Neben so gut wie unmöglich und niemand wusste so recht, ob man noch auf Kurs war.

reise_007

Als der Nebel sich lichtete, sichtete man in der Ferne einige Felsen, allerdings auch einige Segel von Tarnschiffen.

reise_008

Die Spannung stieg und entlud sich heftig, als ein erste Pfeil sich in eines der Schilde bohrte. Kampf zu Wasser war den Nordleuten nicht unbekannt, ihre Schlangenschiffe waren schnell und wenig. Doch die Männer auf den Tarnschiffen, die unter dem Banner von Belnend fuhren, waren erbitterte Gegner.

reise_002

reise_005

Nachdem sich die Südler sich erst einmal auf die Geschwindigkeit der Schlangenschiffe eingestellt hatten, ließen sie die Torvaldsländer im Pfeilhagel bluten.

reise_009

Schließlich ließen beide Seiten voneinander ab und nahmen weiter Kurs auf ihr eigentliches Ziel, die unbekannte Insel mit dem Namen Chrysos. Der Norden landete am nördlichen Ufer und errichtete sein Lager am Strand. Der Süden landete im Südosten der Insel und nutzte den Schutz der Sümpfe um sein Lager vor Blicken und Angriffen zu schützen. Den Rest des Tages brachte man damit zu, Zelte aufzuschlagen und erste Erkundungen in der näheren Umgebung zu unternehmen.

Chrysos_Nordlager_006

Chrysos_Südlager_001