Samhain in Helvegen

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Zur Nacht der Ahnen versammelt sich der Clan auf dem Runenberg. Aus Belnend sind Gäste zum Fest angereist.

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Der Runenpriester und seine Bond reinigen den Platz und führen das Ahnenblot durch.

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Die Opfergaben werden in eine prachtvolle Truhe gelegt.

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Danach geht es zu Speis und Trank in die Langhalle.

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Der folgende Abend gehört ganz der Musik und dem Geschichtenerzählen. Gebannt folgen nicht nur die Kinder der Geschichte um den hinterlistigen Loki und den Tod Baldurs.

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Winter

Der Winter kam schnell. Nach ein paar Frostnächten und Schneeregen, der Helvegen in Schlamm versinken ließ, waren die Bewohner fast froh, als endlich der erste Schnee gefallen war und es so kalt wurde, dass der Schlamm gefror und mit einer gnädigen weißen Decke verborgen wurde.

So war es immer zu Beginn, wenn die Natur in ihre Winterstarre fiel. Der Schnee war neu und setzte unbändige Freude frei in der Brust der Nordleute, denn er verlieh der Landschaft ringsum eine fast heilige unschuldige Schönheit, die man nur den Göttern zuzuschreiben vermochte. Auch für die Kinder des Clans war die Zeit des ersten Schnees eine Zeit von Fröhlichkeit und ausgelassenen Spielen.

Doch es war nun auch die Zeit gekommen, in der Helvegen von seinen Vorräten zehren musste. Die Tabuks waren fort – wie jeden Winter waren sie gen Süden gezogen um das Überleben ihrer Art zu sichern. Anderes Wild war schwerer zu jagen und die Wanderungen durch die Wälder und bis hoch in die Berge waren mit Gefahren verbunden, so dass zur Jagd immer mindestens zwei Männer das Dorf verlassen mussten.

Es würde sich zeigen, ob der Clan genügend vorgesorgt hatte. Denn der Winter war früh gekommen in diesem Jahr und manch altes Weib flüsterte davon, dass auf einen so ungewöhnlich warmen Sommer immer ein besonders harter und langer Winter folgte.

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Gleichzeitig rückte Samhain, die Nacht der Ahnen näher.

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Bevor der Winter kommt

Jorund und Calla wurden an einem der letzten Tage verbunden, an denen die Bäume in den Wäldern noch buntes Laub trugen. In Helvegen hatte nun so gut wie jeder einen gefunden, zu dem er bei eisiger Kälte unters Fell kriechen konnte und die wenigen, bei denen es nicht so war, würden mit einer Bond vorlieb nehmen müssen oder sich an dem Gedanken erfreuen, dass die Wärme zurückkehren würde, irgendwann im nächsten Jahr.

Lovis hatte den Runenberg gemeinsam mit Gyda geschmückt, die sich nach wie vor große Mühe gab, folgsamer und freundlicher zu sein. Gelb, Orange, Rot und sattes Grün überwogen, denn draußen in der Natur war kaum mehr anderes zu finden.

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Taara, die nach einer Operation noch nicht wieder laufen durfte, ließ sich von ihrem Gefährten, dem Schmied, auf den Runenberg tragen, damit sie anwesend sein konnte.

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Sigurd war – wie meistens – als erster auf den Runenberg um einen Moment stille Zwiesprache mit den Göttern zu halten.

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Callas Schönheit, die sich nicht nur auf ihre äußere Erscheinung beschränkte, sondern auch durch ihr angenehmes Wesen ausstrahlte,  hatte nicht nur Jorund beeindruckt. Als sie an Sjards Arm auf den Berg geführt wird, geht ein leises Raunen durch die Gruppe der Versammelten.

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Der Tausch der Schwerter geht reibungslos vonstatten.

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Und auch beim Ringtausch fällt kein Ring zu Boden.

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Als beide ihren Schwur geleistet haben, geht es endlich an den ersten Kuss, der nicht vor den Augen des misstrauischen Jarlsweibes verborgen bleiben muss.

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In der Halle drängen sich die Feiernden.

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Es herrscht ausgelassene Stimmung und Geschenke werden übergeben.

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Unvermeidbar das Schlemmen und Saufen bei einer Gefährtenschaft.

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Calla und Jorund, endlich vereint vor gefüllten Tellern und Schalen.

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Der ein oder andere hat zwar noch schlimme Kopfschmerzen vom Besäufnis des Vorabends unter den Kerlen, aber auch an jendem Abend wurde derart gebechert, dass manche zu berichten wissen, dass Lovis sogar auf der Bank gestanden haben soll, um einen Fremden davon zu überzeugen, dass sie wirklich ein Weib ist.

 

 

Handelskarawane aus Belnend

So manch einer von den Mitreisenden, der nur südliches Klima gewohnt war, hat sich wohl ordentlich den Arsch abgefroren, als der Handelstreck aus Belnend und Kafal vor den Toren von Helvegen lagerte.

Die herbstliche Kälte hatte schon viel von dem im Sommer sprießenden Grün vertrieben und was zurückblieb war karger, felsiger Boden und Schlamm, in dem die Räder der Häuser auf Rädern, wie Sigurd die fremdartigen Gebilde der Belnender genannt hatte, einsanken und ein Vorankommen äußerst mühsam machten.

Dennoch war der Handel für beide Seiten fruchtbar. Lovis konnte genügend Korn für den bevorstehenden Winter tauschen und außerdem noch Larmas zutauschen, aus denen man Saft pressen wollte.

Mit dem Treck verließen einige Felle und Bernsteine den hohen Norden. Das Zusammentreffen des Helvegen Clans mit den Belnender lief weitgehend friedlich ab, denn guten Geschäften war keine Seite abgeneigt und nur gelegentlich flammte noch vereinzelt Hass im südlichen Lager auf über die erbitterten Kämpfe auf Chrysos.

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Herbstopferfest in Helvegen

Da Sigurd für eine Weile in Familienangelegenheiten seines Onkels unterwegs war und Yoric sich selten in der Halle zeigte, übernahm Jorund auf Geheiß hin die Verhandlungen mit Belnend und die Verantwortung für das Wohl des Dorfes.

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Lovis nutzte die Zeit um zu den Arquana zu reisen. Sie teilte nicht die Meinung ihres Gefährten über den rechtmäßigen Besitz des Silbers und wollte um jeden Preis einen Zweifrontenkrieg vermeiden, in dem Helvegen aufgerieben werden könnte. So gab sie einen anderen Reisegrund vor, als Jorund nachfragte und machte sich in Gesellschaft von Taara und Sjard auf den Weg. Sjard hatten sie um Dunkeln gelassen über das Ziel der Reise, so dass man ihn dort angekommen zunächst mit einem geräucherten Schinken bestechen musste. Brunhilda war nachgereist, zeigte sich aber einverstanden mit dem Vorhaben, so dass es zu keinen weiteren Verzögerungen kam. Vor Orte und vor dem Lager der Waldweiber überschlugen sich jedoch die Ereignisse, so dass Sjard um ein Haar in die Gefangenschaft der Ki-kara geraten wäre, weil er seinen Schinken nicht teilen wollte. Das Silber konnte jedoch übergeben und Frieden hergestellt werden. Dass die Waldweiber sich nach dem Verbleib des Kriegspfeils der Torvaldsländer erkundigt hatten, hatte Lovis nicht weiter in Aufregung versetzt. Denn der alte Pfeil Torvalds war verschollen und der neue Pfeil der Clans würde sicher verwahrt sein, davon war sie überzeugt.

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Zuhause angekommen stellte der misstrauisch gewordene Jorund sie zur Rede, vielleicht hatte auch jemand sie verraten, das ließ sich nicht mehr wirklich ergründen. Da aber die Mission schon vollzogen war, hoffte Lovis auf eine geringe Strafe, sobald Sigurd zurück sein würde.

Die Kinder von Helvegen testeten ihre Freiheiten aus. Faustkämpfe im Wald führten zu dem ein oder anderen verlorenen Zahn und zu krummen Nasen. Schließlich überspannten aber Gyda und Aaron den Bogen und rissen für ein paar Tage aus um im Wald den Clan der Halsabschneider zu gründen. Yoric führte die erste Suche an, jedoch scheiterten die Pläne der jungen Ausreißer an einer Pilzvergiftung und so wurden sie von Jorund und Brunhilda gerettet.

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Jorund hatte die Rückkehr des Jarls wohl gleich aus zwei Gründen herbeigesehnt, zum einen konnte er die Last der Verantwortung wieder schmälern, zum anderen um das Weib Calla anhalten. Wie es üblich war, stellte Sigurd ihm drei Aufgaben um das Weib zu freien. In der ersten Aufgabe gelang es ihm das Brautgeld für Calla im Süden zu erbeuten, die zweite Aufgabe führte ihn in einer tiefer führenden Beschäftigung mit den Göttern auf den Runenberg, denn es oblag ihm das Haustblot darzubringen.

Die eingebrachte Ernte war mit abendlichen Einladungen zu Speis und Trank gefeiert worden, die reihum erfolgten, so dass ein jeder einmal Gastgeber und mehrmals Gast sein konnte. Die Idee des Fischers war aufgegriffen und umgesetzt worden.

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Zur Tag- und Nachtgleiche trafen sich alle auf dem reich geschmückten Runenberg und Jorund brachte den Opfer ihren Anteil an der Ernte dar. Bei dieser Aufgabe wuchs er über sich hinaus, so dass alle – Sigurd eingeschlossen – voll des Lobes waren. Es war ein würdiges Ritual, bei dem die Anwesenden sich den Göttern nah und ergeben fühlen konnten.

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Die Bänder des Zusammenhalts waren bekräftigt. Es sollte sich herausstellen, dass das Zusammenstehen des Clans und die alten Riten dazu geführt hatten, dass sich einige Torvaldsländer auf Reisen dem Clan anschließen wollten.

Kein Dorf ist mehr sicher

Die Zeit kam Lovis wie eine Ewigkeit vor. Selbst das Kind in ihrem Leib schien vor Schreck erstarrt zu sein und regte sich nur noch wenig, vielleicht auch, weil der Platz nun weniger wurde, denn es konnte jeden Tag soweit sein.

Alle zwei Ahn stieg Lovis den halben Weg zum Runenberg hinauf und blickte von dort aus über den Strangfyorthe. Und so sah sie auch als erste das kleine Fischerboot, dass sich Helvegen näherte, obwohl fast alle Kerle mit Sigurd zur Verteidigung Fensalirs ausgerückt waren. So eilte sie sich den Berg sicher wieder hinunterzugelangen und zu sehen, wer da anlegte.

Es war Sjard, der blutend und am Ende seiner Kräfte auf dem Steg zusammenbrach. Alle im Dorf verbliebenen Weiber kamen angerannt und Yngvar warf sich den stammelnden Fischer über die Schulter um ihn bis zur Heilstube zu tragen.

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“Kein Dorf ist mehr sicher…! Ich soll ausrichten, kein Dorf ist mehr sicher….! Alle sind gefangen…wir standen allein….gegen den Süden…” brachte er noch hervor bevor er das Bewusstsein verlor.

Lovis stand wie gelähmt auf dem von Wind und Thassawasser gebleichten Balken und wusste nicht mehr, was als nächstes zu tun war. Sigurd war gefangen, nicht nur Sigurd, offenbar auch alle Männer außer Sjard, den man verschont hatte, damit er eine Botschaft überbringen konnte.

Nach einer Weile kam Yngvar zurück und musterte sie. “Du musst den Clan nun führen, Lovis. Denk dran, was ich dir über dein Kind gesagt habe. Du bist stark und du wirst nicht weichen.” Lovis ging ein paar Schritte mit ihm und musste sich dann an einem Zaun abstützen, als sie erneut ein Ziehen im Rücken spürte. Yngvar hatte eine seltsame Ausstrahlung. Etwas Unheimliches ging von ihm aus, etwas, das viele instinktiv als einen Art innewohnenden Wahnsinn wahrnahmen und dem Runenkundigen deshalb aus dem Weg gingen. Aber für Lovis ging von ihm auch Stärke und Zuversicht aus, ein Glaube an die eigene Stärke, die die Götter immer lieben würden.  “Was soll ich tun, Yngvar? Kein Dorf ist mehr sicher, sie werden kommen und wir sind nur noch wenige Männer, viele Weiber, Kinder und Alte.”

“Bereiten wir ihnen  Muspellr auf unserem Boden. Ein Feuer, das sie alle vernichten wird. Lass die Frauen Strohpuppen bauen, so dass wir aus der Ferne stärker wirken.”

Lovis richtete sich auf und blickte den Weg hinauf, der geradewegs vom Anleger bis hoch in die Langhalle führte. Dann nickte sie langsam und gab ihre Weisungen heraus an die verbliebenen Clanmitglieder. Sie hatte Sigurd vesprochen Helvegen zu schützen und das würde sie tun und wenn es das letzte war, was sie tat und sie sich alle in Valhalla wieder begegnen würden.

So ergingen folgende Weisungen an die in Helvegen Verbliebenden:

1. Die Thralls reißen leerstehende Hütten ab um aus dem Holz eine Palisade zu bauen, die den Zugang über den Fjord in die Siedlung verwehrt.
2. Alle Weiber basteln Strohpuppen um sie auf der Palisade zu plazieren zu Abschreckungszwecken aus der Ferne.
3. Yngvar bereitet Feuerfallen vor.
4. Alle verbliebenden Männer, alle waffenfähigen Weiber, Alten und Knaben älter als 10 Sommer verteidigen Helvegen. Weiber tragen Hosen und Helme oder binden sich das Haar zusammen damit sie nicht von weitem schon als wehrlose Weiber zu erkennen sind.

Danach entzündete Lovis das Signalfeuer für den Jarl von Axe, mit dem immer noch ein Verteidigungsbündnis bestand. Lovis überließ die Entscheidung den Weibern, ob sie ihre Kinder nach Axe in Sicherheit schaffen wollten oder ob sie diese bei Alarm in die Höhlen bringen würden. Der Vorschlag jedoch Helvegen ungeschützt zu lassen und zu fliehen, lehnte Lovis ab. Mehrfach.

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Sie war Lovis, Weib des Sigurd, erste Frau von Helvegen. Niemand würde sie zwingen sich wie eine Assel unter einem Stein zu verstecken. In der Nacht stand sie draußen im Licht der drei Monde und überwachte die Errichtung der Behelfspalisaden um nicht daran denken zu müssen, wo Sigurd in diesem Augenblick sein mochte.

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Düstere Ahnungen

Noch eine zweite Gefährtenschaft wurde geschlossen und ausgelassen gefeiert, so dass man fast glauben konnte, dass Helvegen die dunklen Zeichen erfolgreich verdrängen konnte, die Tag für Tag eintrafen.

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Das freundschaftliche Verhältnis zu Fensalir war einem düsteren Misstrauen gewichen, seitdem Helvegen eigene Späher nach Belnend entsandt und dort erfahren hatte, dass der geplante Angriff auf Belnend offenbar auf einer Lüge beruhte. Seither gab es Stimmen im Norden, die Helvegen zu Verrätern machen wollten und es schien, dass Aegir sich dem vielen Flüstern aus den nördlichen Wäldern nicht zu entziehen vermochte. Helvegens Krieger wurden in Fensalirs Halle mit Misstrauen empfangen und so setzte sich die unheilvolle Kette von Ereignissen fort, die den Norden in den Abgrund zu reißen drohte.

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(am Bett des kranken Jarls)

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(düstere Ahnungen)

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(Streit um den Thron des Thane)

Sigurd, Jarl von Helvegen, hatte mit einem Fieber zu kämpfen, das er sich aus den Sümpfen von Chrysos mitgebracht hatte und zwei lange Hand lang rang Lovis mit der Angst um den kranken Gefährten, mit den Geschicken des Clans und den düsteren Neuigkeiten, die von ringsum nach Helvegen drangen. Der Angriff auf Belnend sollte nicht ungesühnt bleiben, wenn es nach dem Süden ging und so ging der Kommandant von Belnend Bündnisse mit den schlagkräftigsten südlichen Städten ein um Rache am Norden zu nehmen. Kaum war Sigurd wieder auf den Beinen, traf auch schon ein geheimnisvoller Bote ein, der von einem bevorstehenden Angriff der versammelten südlichen Streitkräfte auf Fensalir warnte.

Sigurd rang um eine Entscheidung: Sollte man Fensalir warnen und beistehen, wenngleich es mit seinem Kriegstreiben diesen Sturm selbst entfesselt hatte und obendrein noch Helvegens Männer wie Verräter behandelt hatte? Oder sollte man schweigen und seinen eigenen Vorteil suchen und in der Zeit die eigene Verteidigung stärken? Schließlich war er des Taktierens müde und besann sich auf das, was einen Torvaldsländer ausmacht. Das waren nicht List und Tücke, sondern kämpfen und zusammenstehen, wenn der Norden in Gefahr war und so sprang er über seinen Schatten und er entschied sich Fensalir beizustehen.

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(Sigurd fasst eine Entscheidung)

Kein Weinen und Flehen von Lovis und auch nicht die finsteren Gesichter seiner Männer konnten ihn davon abbringen, denn er hielt dies für die einzig ehrenvolle Entscheidung. Und so zogen sie von dannen. Unterdessen war eine Flut rotberockter Krieger, die ihresgleichen suchten in Ausbildung, Disziplin und Gehorsam, auf dem Weg die Norddörfer zu erschüttern.

Lovis stand lange am Fjord und sah zu, wie das Schiff sich entfernte und noch nie war ihr so bang und schwer ums Herz geworden wie dieses Mal. Klein wie Insekten zeichneten sich die Umrisse der Männer vor dem Horizont ab, der von gewaltigen Wolken verdunkelt wurde, bis die Dunkelheit schließlich alles in sich verschlang. Auch Rebekka neben ihr kämpfte mit den Tränen, denn auch sie ließ jemanden ziehen, der einen festen Platz in ihrem Herzen hatte: Sjard, den sie gerade erst zum Gefährten genommen hatte.

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Rückkehr in die Heimat

Das Metopfer vor der Abreise von Chrysos zahlte sich aus. Auf der Heimreise verschonte der Donnergott Thor die Schiffe Helvegens und ein zweites Unwetter blieb aus, so dass die Krieger samt Beute dank günstiger Winde rasch die nördliche Thassa überquerten und schließlich durch den Strangfyorthe hindurch zurück nach Helvegen gelangten.

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Die Schiffe legen an
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Willkommen zurück

Ohne Zwischenstopp in Lydius, auf den das zeternde Südweib gehofft hatte, dass sie zu der im Sumpf verborgenen Kiste mit Gold geführt hatte, legte man in der Heimat an, wo sich bereits die Lieben und Schaulustigen versammelt hatten um die Heimkehrer in ihre Arme zu schließen.

Der Bauch von Lovis war jetzt leicht gerundet und es ließ sich nicht mehr verbergen, das sie wieder ein Kind erwartete. Die Siedlung lag friedlich im Schein des Zentralfeuers da, auf den Äckern gedieh die Saat und war zu jungen Pflanzen herangewachsen und in den Ställen gab es Nachwuchs. Es schien als hätte der Runenpriester Acturus im Tempel zu Uppsala die Runen richtig gedeutet. Fruchtbarkeit und Wohlstand blühte in der Siedlung. Nur wenige Tage später brachte Taara, die Heilkundige,  gesunde Zwillinge zur Welt, die sie hoffentlich über den Verlust ihres jüngsten Sohnes hinwegzutrösten vermochten.

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Beutegold aus Chrysos
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Die Behaglichkeit der heimatlichen Halle
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Der Clan wieder vereint
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Erneuter Zwillingssegen in Helvegen

Die Chrysos Beute konnte sich sehen lassen und sorgte für ausgelassene Stimmung in der Halle. Eine der reich gefüllten Truhen ließ der Jarl unter allen Clanmitgliedern aufteilen. Ein Teil wurde zurück behalten um die aus allen Nähten platzende Siedlung zu vergrößern und eine neue Halle zu bauen. Das war der Plan. Ein anderer Teil wurde zurückbehalten um den Göttern ihren Anteil zu opfern.

Der Kommandant von Belnend kam um seine Waffen zum vereinbarten Preis zurückzukaufen, die er Niara als Pfand für die Sklavin Ewa überlassen hatte.

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Belnend und Helvegen stehen einander erneut gegenüber

Der Handel misslang, als Byron, Niaras Gefährte,  statt der 4 Silber nun 4 Gold haben wollte und nur haarscharf konnte Sigurd einen Krieg in der Siedlung und Schaden von Helvegen abwenden. Byron, der sich erneut von niemandem ernst genommen fühlte, floh daraufhin in die Wälder. Es wussten wohl nur die Nornen selbst ob er nach seiner Kopfverletzung jemals wieder in der Lage sein würde den Clan von Fjellandsby zu führen. Belnend zog aufgebracht und unverrichteter Dinge wieder ab und der ohnehin schon kochende Hass auf Grund der Niederlage des Südens auf Chrysos erreichte einen neuen Siedepunkt. Niara blieb in Tränen aufgelöst zurück und nahm auch Byrons Anteil vom Beutegold entgegen.

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Aufteilung der Beute

Im Anschluss reiste man zum Tempel nach Uppsala um den Göttern ihren Anteil zu bringen. Arcturus hatte sich schon auf die Ankunft der Siegreichen vorbereitet und zum Ausklang des Abends tanzten zwei Sklavinnen im Licht der drei Monde und Mira, die Bond des Runenpriesters, sang ein Lied vom von Sieg und Ruhme Helvegens.

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Opfer für Thor
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Tanz der Sklavinnen

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Arcturus und Mira

Auf der nördlichen Thassa

“Storms are relentless and unforgiving.

Die Schiffe der Torvaldsländer hatten sich vor Scagnar zu einer gemeinsamen, furchteinflößenden Nordflotte vereint. Die Drachenköpfe am Steven voran, pflügten sich die flachen, schnellen Boote durch die Wellen. Das Wetter war hell und freundlich gewesen am ersten Tag ihrer Reise. Die Winde gnädig. Die Stimmung der Männer war gut, vielleicht fast ein wenig übermütig. Hinter sich zurück ließen sie die Last von Ackerbau und Familien und der Wind zauste ihre Bärte und schien sie in bevorstehende Abenteuer und Heldentaten zu locken.

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Am zweiten Tag der Reise frischte der Wind deutlich auf und trieb Wellen und Schiffe rasant vor sich her, aber das erhöhte nur den Reiz und verlieh der Reise in unbekannte Gewässer eine höhere Geschwindigkeit. Die Segel blähten sich im Wind, ließen die wendigen Schiffe über die Wellen tanzen und zeugten von der guten Zusammenarbeit vieler Hände im Norden.

Gegen Mittag braute sich in der Ferne ein dunkler Streifen zusammen, der näher rückte, so dass sich bald die Frage stellte, ob man einen Kurwechsel vornehmen oder hindurch segeln wollte. Der Übermut war noch nicht verflogen und man fühlte sich stark und allem gewachsen und leidenschaftlich genug um sich auch einer rauheren Thassa zu stellen. So hielten alle Kurs und fanden sich bald schon verschluckt von Dunkelheit und prasselndem Regen.

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Bald schon wurde die Thassa so rauh, dass die Wellen die Schiffe haushoch emporschleuderten und mit ebensolcher Wort zurück in die Wellentäler fallen ließen. Von unten drang salziges Thassawasser in die Boote, Gischt und hohe Wellen durchnässten jeden und alles, was sich an Bord befand. Von oben öffnete der Himmel seine Schleusen und überzog die Flotte mir prasselndem Regen.

Als auf einem der Schiffe Fensalirs ein Teil der Ladung ins Rutschen geriet, war auch dem wagemutigsten Sturmtrotzder klar, dass Thor sich in Rage gebracht hatte und ein tödliches Spiel mit ihnen begonnen hatte. Blitze erhellten den Himmel und ließen die erschöpften Gesichter bleich aussehen. Die eine Hälfte ruderte, die andere Hälfte schöpfte Wasser aus dem Boot und doch wollte der Sturm kein Ende nehmen. Um ein Haar kenterte eines der Helvegener Schiffe, als eine kräftige Welle es seitlich traf und ein Blitz brannte sich durch den Mast von Skjoldur und riss ein Leck in eine der Planken. Weit auseinandergetrieben kämpften die Clans ums bloße Überleben.

Schließlich griff sich Sigurd eines der panisch blökenden Verrs, hielt es fest über die Reling und schlitze ihm die Kehle auf um Thor durch ein Opfer zu besänftigen. Die Antwort war eine Windbö, die das prachtvolle Segel der nördlichen Wälder zerfetzte.

Rudert! erklang von hinten ein Ruf. Zeigen wir den Göttern, aus welchem Holz wir geschnitzt sind, erkämpfen wir uns ihr Wohlgefallen, denn das können wir am besten, KÄMPFEN und wenn es der letzte Kampf sein sollte, so gehen wir doch nicht kampflos!” 

Odin! stimmten die Männer vielfach ein und dennoch wurde ihr lautes Brüllen wurde vom tosenden Sturm verschluckt. Hände, Arme und Rücken wurden zu einer eisigen schmerzenden Masse, die sich mit allem aufbringbarem Willen an Ruder und Leben festhielt. Der Kampf hatte bereits begonnen, bevor man die goldene Insel überhaupt erreichte.

Es galt diese Prüfung der Götter zu bestehen und stärker als je zuvor daraus hervorzugehen oder zu scheitern und zu sterben.

Abschied

Die langen Vorbereitungen waren schneller vorüber, als es Lovis recht war. Nur eine Nacht war ihr nach der Rückkehr vom Tempel in Uppsala geblieben, eine letzte Nacht mit ihrem Gefährten, bevor die Schiffe sich auf den Weg nach Scagnar machen würden, wo die Nordclans sich zu einer gewaltigen Flotte vereinen würden.

Obwohl sie die freudige Überraschung eigentlich hatte für sich behalten wollte, bis Sigurd wieder sicher zurückgekehrt war, brach es nun doch aus ihr hervor als er ihr auftrug ihn genauso wieder zu empfangen, wie er sie hier verlassen hatte. Nein, ihr Bauch würde sich gerundet haben und das gab sie ihm mit auf den Weg.

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Mit ihm zogen ein Großteil aller kampffähigen Männer und Schildmaiden, sowie einige heilkundige Weiber. Für eine Weile würde nun Lovis die Jarlspflichten wahrnehmen. Sie versuchte sich ihre Sorgen nicht anmerken zu lassen und schluckte die aufkommenden Tränen hinunter, als die Schiffe ablegten und den Fjord hinunterglitten. Rebekka war nicht einmal bis an den Steg gekommen, der Abschied von Sjard hätte sie zu sehr aufgeregt und auch Cortie und Saphira hatten sich offenbar in aller Stille voneinander verabschiedet.

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Lovis strich Thorin und Gyda sanft übers Haare, während die Boote am Horizont immer kleiner und blasser wurden. Schließlich hatte der Dunst sie vollkommen verschlungen und Stille lag über Helvegen.